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Deutsche Begriffe in der japanischen Sprache

Japanisch gilt als Sprache, die für Deutsche verhältnismäßig schwer zu erlernen ist. Schaut man sich Schrift und Grammatik etwas genauer an, wird auch klar, warum das so ist.

Deutsche Begriffe im Japanischen

Japanisch – wissen Japaner, was sie schreiben?

Drei verschiedene Alphabete werden genutzt, eines davon nur für Fremd- und Lehnwörter (Katakana), ein weiteres (Hiragana) überwiegend für die flektierten Endungen von Verben und Adjektiven (oder das, was man im Japanischen dafür hält). Bei der dritten Schriftart (Kanji)  wird es kompliziert: Sie kommt eigentlich aus China und war Grundlage der ersten beiden, drückt einen Sinngehalt aus, wird aber je nach Kombination mit anderen Schriftzeichen jeweils anders ausgesprochen. Das erinnert ein bisschen an eine Bilderschrift, die rein nach Bedeutungsgehalt der Zeichen genutzt wird. Japanisch nutzt aber Silbenschriften. Einzelne Laute werden gar nicht dargestellt. Kompliziert? Es kommt noch besser.

Nahezu jede Sprache borgt bei anderen Sprachen Wörter – auch Japanisch

Lehn- und Fremdwörter aus anderen Sprachen sind für Japaner aufgrund der eingeschränkten Laute der japanischen Sprache nur schwer aussprechbar. Die einzelnen Silben des Japanischen bestehen jeweils aus einer Kombination von Konsonant plus Vokal. Die Vokale A, E, I, O und U können allerdings auch einzeln vorkommen, ebenso der Laut N. Sie gelten als jeweils eigenständige Silbe. Also noch einmal:

Japanische Silben bestehen aus einem Vokal oder N oder der Kombination Konsonant + Vokal. Zwischen R und L wird im Laut nicht unterschieden, das Japanische nutzt einen Laut, der ungefähr in der Mitte zwischen den beiden liegt und etwas wie D klingt. Manche Kombinationen wie T + I sind nicht möglich, daraus wird CH + I (sprich: TSCH + I). Soweit, so gut. Lustig wird es, wenn man einen Japaner oder eine Japanerin bittet, das Wort Glühwürmchen auszusprechen. Auf Japanisch 蛍 (hotaru).

Wissenschaft aus dem Westen hält Einzug in Japan

Japan genießt als Inselreich eine exponierte Lage vor der Küste des asiatischen Kontinents. Historisch gesehen von Vorteil, denn das Land wurde nie ernsthaft überfallen, sieht man mal von den Amerikanern im Zweiten Weltkrieg ab. Alle anderen Schlachten wurden vor der Küste im Meer, auf entfernten Inseln oder auf dem asiatischen Festland ausgetragen. Der Kontakt mit der westlichen Welt war erst im 16. Jahrhundert wirklich spürbar, als portugiesische und niederländische Händler und Missionare ins Land kamen. Die benahmen sich soweit daneben, dass sie bald wieder gehen mussten. Aufgrund innenpolitischer Querelen und bürgerkriegsartiger Zustände wurde Japan abgeriegelt, mit Ausnahme der Holländer in der kleinen Enklave Dejima vor Nagasaki durfte für gute zwei Jahrhunderte kein Ausländer Japan betreten.

Eine Revolution (manchmal auch als Restauration bezeichnet) im 19. Jahrhundert hatte die erzwungene Öffnung des Landes zur Folge. Im Rahmen der Öffnung erkannte man, dass man vom Westen viel lernen konnte. Unter anderem, wie ein moderner Staat funktioniert. Es wurden in mehreren Expeditionen japanische Gelehrte in westliche Länder entsandt, um sich die dortigen Wissensgebiete anzusehen und anzueignen. Man studierte das Schulsystem in Großbritannien und den USA, die Medizin in Deutschland, das Rechtssystem in Deutschland, die Architektur in den USA und in Frankreich. Die Gelehrten kamen zurück nach Japan, bauten die in staatlicher Hand befindlichen wissenschaftlichen Institutionen nach den gelernten Vorbildern um. Und man holte namhafte ausländische Wissenschaftler ins Land, die in Japan lehren sollten.

Deutsche Zungenbrecher werden Japanisch aussprechbar

Man stelle sich nun die Japaner  vor, die von den deutschen Ärzten und Professoren Begriffe wie Asthma (Konsonant + Vokal?) lernen sollten ... Es herrschte große Verzweiflung, und so mancher der Beteiligten dürfte ob der für die korrekte Aussprache nötigen Gesichtsgymnastik an recht ungewöhnlichen Stellen Muskelkater gehabt haben. Heute finden sich noch immer deutsche Begriffe in den japanischen Fachsprachen:

アレルギー (arerugī) – Allergie
アスピリン (asupirin) – Aspirin
カルテ (karute) – Karte; im Sinne von: Aufzeichnung der Krankengeschichte, Krankenakte
ナトリウム (natoriumu) – Natrium
レントゲン (rentogen) – (medizinische) Röntgenaufnahme

Das sind nur ein paar Beispiele, die die bisweilen recht befremdliche Aussprache der deutschen Wörter im Japanischen illustrieren mögen. Witzigerweise sind sich die Japaner heutzutage durchaus oft bewusst, aus welcher Sprache das gerade so fantasievoll ausgesprochene (und für Muttersprachler in der Regel unverständliche) Wort ursprünglich kam.

Deutsch – Japanische Übersetzung

Natürlich brachten die Ärzte und Professoren nicht nur ihre Wissenschaften mit nach Japan. Sie brachten Märchen メルヘン (meruhen) mit, den ein oder anderen Poltergeist ポルターガイスト (porutāgaisuto), aßen Baumkuchen バウムクーヘン (baumukūhen) und irgendwann auch Gummibärchen グミ (gumi) und unterhielten sich über die Musik ihrer Heimat. Sie spielten Kontrabass コントラバス (kontorabasu) und Flöte フルート (furûto). Sie hatten Sex セクス (sekusu), den ein oder anderen Orgasmus オルガスムス (orugasumusu), natürlich abhängig von der Stellung ラーゲ (rāge: Lage, Sexstellung). Und ihre Frauen buken Torte トルテ (torute) und (Christ-)Stollen シュトレン (shutoren). Bedauerlicherweise sind die Zutaten für Letzteren selbst heute noch in Japan nur sehr schwer zu erhalten, so dass die zahlreichen deutschen Expats auf Fresspakete aus der Heimat angewiesen sind ...

Große Verblüffung in der Kletterhalle: Wenn deutsche Begriffe ins Japanische übersetzt werden

Deutschland mag in Sachen Wissenschaften nicht mehr allzu viel nach Japan exportieren. Aber auf einigen Gebieten funktioniert der Austausch doch noch ganz gut, wie man bei einem Besuch in einer der zahlreichen in Japan boomenden Boulder- und Kletterhallen feststellen kann:

Alles aus dem Bergsport kommt nach wie vor aus dem deutschen Sprachgebrauch. Aber waren es nun die Österreicher, die Schweizer oder die Deutschen, wenn es um das Klettern an der カンテ (kante: Kante) geht, um das アンザイレン (anzairen: Anseilen) oder den リュックサック (ryukkusakku, abgekürzt リュック ryukku: Rucksack), den man selbstverständlich nicht nur zum スポーツ (supôtsu: Sport) mitnimmt, sondern auch zur アルバイト (arubaito: Arbeit). Letztere bezeichnet allerdings nur eine Nebenbeschäftigung oder Aushilfstätigkeit. Laut japanischer Definition alles, was mit einem befristeten Arbeitsvertrag einhergeht. Es scheint fast, als würden die Deutschen hier in den letzten Jahren von Japan lernen, wenn das Wort in Form von Kurzzeitverträgen und Leiharbeit in Deutschland eine neue Definition erhält.

31.08.2017

 

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