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Deutsche Wörter, die auch im Englischen verstanden werden

Etwa 70 % der englischen Sprache besteht aus fremdsprachlichen Wortschatz. Da sind lateinische und altgriechische Begriffe vorhanden, Jiddisch, Französisch und sogar Deutsch haben Pate gestanden. Das berühmte Denglish der Manager und Work-Life-Balancer ist also keine deutsche Angelegenheit. Deutsche Wörter englisch aussprechen ist dabei wenigstens so lustig wie die umgekehrte Variante.

Lebendige Sprache

Einerseits ist es sehr verständlich, wenn sich den Englisch-Muttersprachlern der Magen umdreht ob der inflationären (und meist gar nicht mehr in der Bedeutung originalgetreuen) Verwendung englischer Wörter im Deutschen. Aber wie zum Geier kommen diese Witznasen darauf, Angela Merkel als Uber-Mutti zu bezeichnen?

Es geht erst einmal um den Übermenschen, den der deutsche Philosoph Nietzsche einst schriftlich darlegte. Der hielt Eingang in die Fachsprache an angelsächsischen Universitäten. Und heute wird alles, was einem Idealbild von irgendetwas entspricht, mit der Vorsilbe „Uber“ belegt. Wenn also Frau Merkel als die Uber-Mutti of EU bezeichnet wird, will man sie keineswegs zur Taxifahrerin machen. Vielmehr zeigt der Bedeutungswandel des Wortes Uber- (über) und der kreative Umgang mit selbigem, wie sich Sprache ganz selbstverständlich entwickelt. Deutsch-englische Wörter sind also nicht gleich, sondern durchaus einem Wandel unterworfen. Sogar in der Orthografie.

Unterschiede zwischen britischem Englisch und amerikanischem Englisch

Deutsche Wörter im Englischen sind nicht überall gleich. Immerhin wird Englisch in vielen Ländern gesprochen und dort auch bisweilen recht unterschiedlich gebraucht. Deutsche Begriffe im Englischen können sich also durchaus unterscheiden. Während sich in Großbritannien die „German Angst“ als Ausdruck heftigster negativer Emotionen großer Beliebtheit erfreut und bisweilen auch mal als „Existenzangst“ (darin sind wir Deutschen ja angeblich besonders gut) bezeichnet wird, hat man es in den USA eher mit der „Schadenfreude“. Die wird im Lexikon zwar noch als „harmjoy“ übersetzt, aber irgendwie scheint das deutsche Wort mehr Anklang zu finden.

„Bratwurst mit Sauerkraut“ sind übrigens in den USA mindestens so beliebt wie „Brezel“ und „Schnitzel“ – oder „Hotdog“ und „Burger“ in Deutschland. Dass deutsche Wörter englisch nicht immer wirklich die gleiche kulinarische Spezialität bezeichnen, versteht sich von selbst. So ist der Zwieback zwar als „Schiffszwieback“ auch in Großbritannien schon seit langer Zeit bekannt, wird aber im Merriam Webster in einer zweiten Bedeutung als „a usually sweetened bread enriched with eggs that is baked and then sliced and toasted until dry and crisp“ beschrieben.

In manchen Dingen sind wir Deutschen einfach unschlagbar

Okay, Humor gehört nicht dazu. Aber dass der Begriff „Angst“ ins Englische eingegangen ist, wurde schon erwähnt. Auch das, wovor man Angst haben könnte, kommt aus dem Deutschen: Da ist der „Poltergeist“, der es sogar in die Harry Potter Bände geschafft hat. Und da ist Thomas Müller, der kernig und ehrlich wie er ist, als Naturbursche bezeichnet wird. Das, was er tut, nennt man im Fußballenglisch „mullern“. Vor „dreck“ (alles, was qualitativ unzureichend ist) fürchtet man sich ebenso wie vor „blitzkrieg“ (was eine intensive Kampagne, beispielsweise in der Werbung, sein kann).

Deutsch heißt nicht, dass englische Wörter gleich sind – fantasievoller Sprachgebrauch eben. Aber die englische Sprachgemeinschaft hat noch vor viel mehr Angst. Vor dem „Waldsterben“ beispielsweise, das in den 1980er Jahren auch in Deutschland für Aufregen sorgte und inzwischen so ziemlich aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden ist. Man fürchtet sich auch vor „Kummerspeck“ (ohne Kummer als „love handles“ bezeichnet), genauso vor „Katzenjammer“ (zu Deutsch: Kater).

Kaffeeklatsch in New York?

Genau der! Aber nicht etwa in der German Community, sondern ganz gediegen im Standard Hotel: „kaffeeklatsch at the ice rink“. So zumindest im Winter beworben. Und das genießen natürlich nicht nur die Hausfrauen. Denn als „hausfrau“ wird ausschließlich eine besonders gründliche „housewife“ bezeichnet.

Noch ein Beispiel des Bedeutungswandels: Als „Wunderkind“ gelten nur diejenigen, die in jungen Jahren als besonders kompetent auffallen und damit auch noch Ruhm erlangen. So wie Mozart. Bleibt der Ruhm aus, handelt es sich lediglich um ein „child prodigy“. So nüchtern kann Sprache sein.

Und der Sprachpurismus?

Den gibt es hinsichtlich deutscher Wörter im Englischen. Aber Linguisten sind sich ziemlich einig, dass sich derartige Bemühungen nicht lohnen. Deutsche Begriffe im Englischen werden sich aller Kritiken zum Trotz ebenso wenig ausmerzen lassen wie englische Begriffe im Deutschen. Vielleicht sollten wir Deutschen unsere Angst auch einfach einpacken und uns freuen, wie „wunderbar“ (auch im Englischen so bekannt) der Ersatz ist. Ups, noch so ein Wort. Von „ersatz coffee“ bis hin zu „ersatz emotion“ im Englischen sehr beliebt ...

Zur Erweiterung des deutsch-englischen Vokabulars empfohlen:

http://www.huffingtonpost.de/peter-littger/49-deutsche-woerter-englisch_b_9556988.html
http://www.focus.de/wissen/mensch/sprache/xx-deutsche-woerter-wandern-aus_id_4006489.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_deutscher_Wörter_im_Englischen
http://diepresse.com/home/bildung/5112101/Eingeenglischt_Deutsche-Woerter-in-der-englischen-Sprache#slide-5112101-7
https://www.wort-suchen.de/wortwissen/entlehnt-und-zugenaht-wie-es-das-deutsche-ins-englische-schafft/1676177

24.10.2017

 

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