13

Dec 2017

Übersetzen kann doch jeder! Oder?

Übersetzer, Dolmetscher und Übersetzungsunternehmen stehen bei dieser Behauptung die Haare zu Berge. Wir erklären, warum es eben doch nicht jeder kann.

Die Mär vom Kinderkram

„Was machst du eigentlich beruflich?“, „Ich übersetze, Deutsch und Englisch“, „Deutsch und Englisch? Das kann doch jeder!“ – nahezu jeder Übersetzer wird schon einmal einen ähnlichen Dialog geführt haben. Denn vor allem bei Weltsprachen, die die meisten von uns in der Schule lernen, wird Übersetzen als Kinderkram abgetan und nicht ernst genommen. Schließlich kann doch fast jeder Englisch. Zumindest ein bisschen. Also kann das ja so schwierig nicht sein.

Viele verwechseln die Aufgabe eines Übersetzers zudem mit der eines wandelnden Wörterbuchs. „Wie heißt [beliebiges Wort] auf [beliebige Sprache]?“ ist noch so ein Satz, den nicht nur ausgebildete Übersetzer, sondern auch fast alle, die „irgendeine Sprache“ studiert haben, schon zu Hauf gehört haben. Denn wenn man sich intensiv mit einer Sprache auseinandersetzt und sie beherrscht, ist man ja schon automatisch ein Übersetzer. Oder?

Studium und harte Arbeit

Es ist eine Grundvoraussetzung, die Sprache zu beherrschen, um Übersetzer zu werden, das stimmt. Jedoch hat nicht jeder, der eine Sprache fließend sprechen kann, auch das Zeug dazu, professioneller Übersetzer zu werden. Das Problem: Übersetzer oder gar Fachübersetzer sind keine geschützten Begriffe. Somit kann sich also jeder Übersetzer schimpfen. Will man aber eine gute Auftragslage und für Übersetzungsunternehmen arbeiten, sind eine abgeschlossene Ausbildung (beispielsweise durch ein Studium) oder viele Jahre Berufserfahrung notwendig. Denn hierbei lernt man erst die Tiefe einer Sprache kennen und weiß, wie man mit sprachlichen Feinheiten umgeht. Beispielsweise gehört es vor allem beim literarischen Übersetzen oder bei Übersetzungen von Marketingtexten dazu, Wortspiele zu erkennen und sie je nach Sprache und kulturellen Gegebenheiten in die Zielsprache zu übertragenn.

Zusätzlich übersetzen die wenigsten Profis „alles“. Denn nahezu jeder Übersetzer hat seine Fachbereiche, auf die er oder sie sich spezialisiert hat. Hier kommt es auf branchenspezifisches Know-how. Dieses lässt sich nur durch Berufserfahrung und Weiterbildungen erarbeiten. Denn insbesondere im technischen, medizinischen und rechtlichen Bereich kommt es auf exakte, präzise Formulierungen an – Raum für Kreativität  bleibt hier kaum. Deswegen wird ein Übersetzer für Marketingtexte und Beauty ungerne technische Handbücher übersetzen. Das hat aber auch seine Vorteile: Durch die Spezialisierung ist der Übersetzer nämlich schneller und genauer als jeder, der es nicht gelernt hat.

Your email address will not be published. Required fields are marked *