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23.04.2015

Antike Aktualität

Die philosophischen Strömungen der Spätantike haben den ursprünglichen Zynismus aufgewirbelt. Sie haben stoische Ruhe in unsere Sprache gebracht und dafür gesorgt, dass das epikurische Motto Carpe diem ca. 277 Jahre vor dessen Entstehung gelebt wurde.

Philosophisch

Hellenismus: Griechische Kultur und verschwimmende Grenzen

Die Zeit von 336 bis 30 v. Chr. war geprägt von einem Aufleben der griechischen Kultur. Später erhielt dieser Zeitabschnitt den Namen Hellenismus, der sich vom griechischen Wort für Griechentum ableitet (hellēnismós). Die Epoche davon geprägt, dass die Grenzen zwischen den verschiedenen Ländern und Kulturen verschwammen: Die griechischen, römischen, ägyptischen, babylonischen, syrischen und persischen Kulturen vermischten sich zu einem großen Hexenkessel aus religiösen, philosophischen und wissenschaftlichen Vorstellungen. Diese Internationalisierung ist der unserer Zeit nicht unähnlich.

In der Philosophie waren Sokrates, Platon und Aristoteles Inspirationsquellen für die Entwicklung neuer Ethiken: Wie sollten Menschen bestmöglich leben (und sterben)? Was ist eigentlich Glück und wie wird man glücklich?

Die Kyniker: Glück bedeutet Genügsamkeit

Heutzutage verstehen wir unter einem Zyniker einen Menschen, der unsensibel auf das Leid anderer Menschen reagiert; ein "bissiger, die Wertgefühle anderer herabsetzender Spötter", so der Duden. Der Ursprung des Wortes Zynismus lässt sich jedoch auf Sokrates' Ausruf zurückführen, den er einmal beim Betrachten eines Marktstandes äußerte: "So viele Dinge, die ich nicht brauche!"

Antisthenes gründete ca. 400 v. Chr. den Kynismus oder Zynismus, dessen Überschrift dieser Ausruf hätte sein können. Als Sokrates' früherer Schüler war es besonders die Genügsamkeit seines Lehrers, die Antisthenes faszinierte. Er machte daher echtes Glück zum Kern der philosophischen Strömung: Für einen Kyniker bedeuteten nicht äußere Dinge wie materieller Luxus, politische Macht oder Gesundheit Glück. Glück war, wenn man sich nicht von solchen zufälligen und unstabilen Dingen abhängig machte. So könnte jeder den Zustand des Glücklichseins erreichen.

Kyniker sorgten sich nicht um ihre Gesundheit, um Leid oder den Tod – und sie ließen sich nicht von den Sorgen um das Leid anderer Menschen berühren. Dieser Zug ist der Ursprung des bissigen Spötters, der sich heutzutage hinter einem Zyniker verbirgt.

Mit stoischer Ruhe glücklich werden

Der Kyniker Zenon entwickelte ca. 300 v. Chr. die stoische Philosophie aus dem Kynismus. Zenon sammelte seine Zuhörer in einer Säulenhalle, einer stoa, die der Strömung ihren Namen gab.

Die Stoiker waren, dem Zeitgeist des Hellenismus entsprechend, regelrechte Kosmopoliten: Sie interessierten sich für die Gemeinschaft der Menschheit und für Politik. Sie förderten griechische Kultur und Philosophie in Rom – besonders Cicero, der dem Begriff Humanismus lange vor seiner Existenz Leben einhauchte. Die Stoiker stellten also den einzelnen Menschen ins Zentrum.

Sie betonten außerdem, dass alle Naturprozesse den Gesetzen der Natur folgten. Dazu zählten auch Krankheit und Tod, weshalb der Mensch sich mit seinem Schicksal abfinden solle: Nichts geschehe zufällig. Daher helfe es nicht, seine Not zu klagen, wenn das Schicksal an die Tür klopft. Ebenso solle man den glücklichen Umständen des Lebens mit stoischer Ruhe begegnen. Wir benutzen diesen Ausdruck heutzutage, wenn ein Mensch sich nicht von seinen Gefühlen mitreißen lässt.

Die Wörter zynisch und stoisch sind griechische Urgesteine, die sich in vielen Sprachen Europas abgesetzt haben. Philosophischen Strömungen schickten sie aus der Spätantike zu uns. Auf der langen Reise hat sich deren Bedeutung verändert, doch die ursprüngliche Form ist noch immer erkennbar.

 

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