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21.12.2016

Bob Dylans Sprachspiel

Dieses Jahr erhielt Bob Dylan den Literaturnobelpreis. Der Musiker wurde damit für seine außergewöhnliche Songlyrik, "seine poetischen Neuschöpfungen", geehrt. Was ist das Besondere an seiner Sprache?

Bob Dylan

Dylans Vorbilder

Am vergangenen Samstagabend nahm Dylan als erster Musiker in der Geschichte des Literaturnobelpreises seine Auszeichnung "im Geiste" entgegen, während die amerikanische Botschafterin und Patti Smith ihn würdig vertraten.

In seiner Dankesrede nennt Dylan andere Schriftsteller, die er bereits in jungen Jahren gelesen hatte: Shaw, Thomas Mann, Kipling, Pearl Buck, Hemingway und Camus. Zweifelsohne hatten die Werke seiner Vorbilder, allesamt ebenfalls bedeutende Literaturnobelpreisträger, einen Einfluss auf den Schreibstil Dylans. Julia Callaway nennt in ihrem Artikel zwei weitere Personen, die seine Sprache in jungen Jahren beeinflusst haben: den Singer-Songwriter Woody Guthrie und den walisischen Poeten Dylan Thomas. Man spekuliert sogar, ob der als Robert Allen Zimmerman geborene Bob Dylan seinen Künstlernamen von Dylan Thomas abgeleitet hat.

Prophesize und philosophize

Ein typisches Dylan-Element ist das einst im umgangssprachlichen Englisch gebräuchliche "a-", z. B. in "A Hard Rain's A-Gonna Fall", das Patti Smith bei der Nobelpreiszeremonie vortrug. Andere ältere Dialektformen, die häufig in Dylans moderneren Texten auftreten, sind "'way" ("Go 'way from my window") oder das Subjekt betonende "they" ("The Times They Are A-Changin'"). In selbigem Lied singt Dylan übrigens "Come writers and critics who prophesize with your pen / And keep your eyes wide, the chance won't come again." Möglich, dass er das Verb "prophesy" meinte, möglich, dass er absichtlich "prophesize" sang – das weiß man, wie so oft bei Dylan, nicht so genau. Was man allerdings weiß: "Prophesize" passt ausgezeichnet zu "philosophize" aus "The Lonesome Death Of Hattie Carroll", das ebenfalls auf dem Album "The Times They Are A-Changin'" erschien.

Lie, Lady, Lie?!

Sprachwissenschaftler Ben Zimmer bezeichnet Dylan als einen "linguistischen Trendsetter". Was die Sprache des 75-Jährigen so einzigartig mache, sei Dylans Fähigkeit, verschiedene lyrische Elemente zu einem Stil zu verschmelzen, dessen Erfindungsreichtum schier unbegrenzt ist, so Zimmer laut qz.com. Dieser Erfindungsreichtum spiegelt sich u. a. darin, dass Dylan es mit den Standardgrammatikregeln nicht so genau nimmt. "Lay, Lady, Lay" klingt einfach viel origineller als "Lie, Lady, Lie" und reimt sich dazu noch auf "stay, lady, stay" – auch wenn Sprachbesserwissler immer noch darauf warten zu erfahren, was die Lady denn nun hinlegen soll. Alle anderen, hoffentlich auch die Nicht-so-von-korrekter-Sprache-besessene-Lady, verstehen trotzdem, dass sie selbst gemeint ist. Fehler, Poesie oder beides? The answer, my friend, is blowin' in the wind...

 

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