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02.02.2016

Bund fördert sprachliche Bildung in Kitas

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat kürzlich das Programm "Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist" gestartet. Damit will der Bund die sprachliche Bildung der Kinder in Kitas fördern und so die Chancengleichheit erhöhen. Was genau steckt hinter dem neuen Programm?

Kindergarten

Studien belegen Einfluss der Sprachkompetenz

Das Bundesministerium begründet sein neues Programm unter anderem mit Studien: Es sei erwiesen, dass die sprachlichen Fähigkeiten großen Einfluss auf den späteren Bildungsweg und den Beginn des Berufslebens haben, so der Bund auf der Homepage des Programms. Deshalb sollen besonders Kinder aus Familien, die aus unterschiedlichen Gründen bildungsbenachteiligt sind, sprachlich gefördert werden.

Bernsteins Defizithypothese

Inwieweit unterschiedliche Sprachkompetenzen zu Bildungsbenachteiligung führen können, untersuchte der Soziolinguist Basil Bernstein bereits in den 1950er Jahren. Er stellte die sogenannte Defizithypothese, auch bekannt unter "Bernstein-Hypothese", auf: Angehörige der sozialen Ober- und Mittelschicht einer Sprachgemeinschaft würden eine Einheitssprache verwenden, die sich stark von der Sprache der sozialen Unterschicht unterscheide. Bernstein nannte die Sprache der Ober- und Mittelschicht "formal language" (elaborierter Code), die Sprache der Unterschicht "public language" (restringierter Code). Beide Formen seien so unterschiedlich, dass Bernstein von verschiedenen Wahrnehmungen und Denkmustern der beiden sozialen Schichten ausging. Eine weniger leistungsfähige Sprache könne demnach die kognitive Entwicklung einschränken.

Labovs Differenzhypothese

Die vermeintliche Eingeschränktheit des restringierten Codes und seine Abwertung als defizitär stehen immer wieder in der Kritik. Besonders William Labov kritisierte in den 1960er Jahren, dass die Codes beider Sprachgemeinschaften funktional gleich seien, aber in komplett unterschiedlichen Gemeinschaften zur Anwendung kämen und daher natürlich unterschiedlich seien. Bernstein stellt in einem seiner Artikel klar, dass ein restringierter Code "ein riesiges Potential von Bedeutungen" enthalte. "Er stellt eine Form von Sprache dar, die eine auf Gemeinschaft gegründete Kultur symbolisiert. Er hat seine eigene Ästhetik. Er sollte nicht abgewertet werden."

Das neue Programm: Zugang ermöglichen

Ziel des neuen Bundesprogramms ist, Kindern den Zugang zu einem anderen Sprachcode zu gewähren, den sie von zu Hause möglicherweise nicht kennen. Das heißt nicht, dass ihre Sprache abgewertet wird. Es heißt, dass sie eine neue Sprache lernen, die ihnen zusätzliche Möglichkeiten bietet. Die drei Grundpfeiler des Programms sind daher:

1.       "Alltagsintegrierte sprachliche Bildung": Pädagogen nutzen die kindliche Erfahrungswelt im Kita-Alltag, um die natürliche, sprachliche Entwicklung der Kinder zu fördern.

2.       "Inklusive Pädagogik": Kinder mit verschiedensten Hintergründen sind in einer Gruppe. Diversität ist eine Möglichkeit, kein Hindernis – alle lernen von allen.

3.       "Zusammenarbeit mit Familien": Das Personal der Sprach-Kitas berät Eltern, wie die sprachanregende Arbeit in der Kita zu Hause fortgesetzt werden kann.

Hier geht es zum Infoblatt des Bundesprogramms.

 

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