Übersetzungsunternehmen Kocarek GmbH
Facebook LinkedIn GooglePlus Besuchen Sie uns auf Twitter YouTube

+49 201 24 69 90-0 | info@kocarek-gmbh.com

Übersetzungsunternehmen Kocarek GmbH
Home » News
10.03.2016

Chinesisch vereinfachen oder verhunzen?

Diese Frage beschäftigt Hongkong, nachdem der Fernsehsender TVB vereinfachte Untertitel in einem Programm verwendet hatte. Das Nachrichtenprogramm läuft in der chinesischen Sprache Mandarin. Viele Einwohner Hongkongs beschreiben das vereinfachte System als "verhunztes Chinesisch".

Sprachen in China

10.000 Beschwerden nach zwei Tagen

Es regnete nicht wenige Klagen: Die Kommunikationsbehörden in Hongkong bekamen 10.000 Beschwerden von Einwohnern. Sie warfen dem Sender vor, ihre Bedürfnisse zu ignorieren und ihr Vertrauen zu missbrauchen. Warum fühlen sich die Bürger und Politiker der Stadt so getroffen?

Während die meist verbreitete Sprache auf dem Festland Chinas Mandarin ist, haben die Bewohner Hongkongs bisher immer Kantonesisch als ihre offizielle Sprache verwendet. Sie benutzen traditionelles Chinesisch als ihr Schreibsystem. Dass ein so lokaler Sender wie TVB jetzt vereinfachtes Chinesisch verwendet, sei "extrem besorgniserregend und vollkommen unakzeptabel", so Albert Chan, ein prodemokratischer Gesetzgeber in Hongkong.

TVB rechtfertigt sich damit, dass zu dem Nachrichtenprogramm auf Mandarin die vereinfachte Schreibweise als Untertitel besser passe, da viele Zuschauer neue Immigranten vom Festland seien.

Vereinfachung schon immer ein Thema

Viele Bürger Hongkongs haben in den letzten Jahren Mandarin gelernt, um mit Touristen und Geschäftsleuten vom Festland kommunizieren zu können. Dennoch bleibt die Kluft zwischen den beiden Schreibsystemen ein hochkontroversielles Thema. Für viele ist die vereinfachte Schrift ein verunstaltetes Chinesisch, das sich zu weit von chinesischen Traditionen entfernt hat.

"Die Vereinfachung der chinesischen Schrift hat eine lange Geschichte. Der Bedarf einer Vereinfachung der chinesischen Schriftsprache ist bereits mit dem Beginn des schriftlichen Chinesisch geboren worden", so Dr. Y C Chan, Dozent an der Hongkong-Universität. Dr. Y C Chan erforscht das chinesische Schreibsystem. So habe die Regierung auf dem Festland nach dem Bürgerkrieg 1949 eine Vereinfachung angestrebt, um die Analphabetenrate zu senken. Heutzutage können 95 % der Bevölkerung lesen und schreiben: eine sehr hohe Zahl, wenn man die Schwierigkeit der Sprache berücksichtigt. Schülerinnen und Schüler müssen Tausende Zeichen lernen.

TVB-Untertitel vielleicht nur der Anfang einer Änderung

Dr. Chan glaubt dennoch, dass auch Hongkong eines Tages das vereinfachte Chinesisch annehmen werden müsse. Es sei einfacher zu gebrauchen und die Unterschiede seien nicht so groß, wie viele Leute glauben: Von über 56.000 Zeichen wurden seit 1949 weniger als 2.000 vereinfacht. Von den 200 meistverwendeten Zeichen wurden auf dem Festland 55 vereinfacht.

Meaghan Morris, außerordentliche Professorin in der Abteilung für Kulturstudien an der Lingnan Universität, erklärt, dass es früher andere Gründe für den Streit gab als heute. Früher sei es um den Stolz darüber gegangen, dass Hongkong traditionelle chinesische Werte behalten hatte, während sie auf dem Festland zerstört worden waren. "Heute", so Morris, "klammern sich die Menschen an solchen übertriebenden symbolischen Beispielen fest, weil Hongkong nicht glaubt, dass es von der Regierung priorisiert wird."

 

Kocarek GmbH | Kronprinzenstraße 5-7 | 45128 Essen | Tel.: +49 201 24 69 90-0 | Fax: +49 201 24 69 90-10 | info@kocarek-gmbh.com