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24.05.2016

Der unsichtbare Übersetzer – ein historisches Konstrukt

Welche Rolle spielten Übersetzungen bei der Entstehung der modernen Literatur? Das ist eine der Fragen, die Heekyoung Cho in seinem neuen Buch "Translation's Forgotten History: Russian Literaure, Japanese Mediation, and the Formation of Modern Korean Literature" angeht. Die Juniorprofessorin für asiatische Sprachen und Literatur der Universität Washington fragt außerdem, wie Übersetzungen das Verständnis über die Literatur verschiedener Nationen beeinflussen.

Eine Übersetzung von der einen in die andere Sprache.

Übersetzungen wesentlich

Der Hauptgedanke Chos: Übersetzungen ergänzen die nationale Literatur nicht. Sie sind wesentlicher Bestandteil bei deren Entstehung. Das sei besonders in der ostasiatischen Literatur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts sichtbar.

Übersetzer erhalten Tarnumhang

Die Rolle des Übersetzers habe sich im Laufe der Zeit stark geändert, so Cho. Heutzutage sollen Übersetzerinnen und Übersetzer unsichtbar bleiben. Früher waren sie viel sichtbarer und haben einen ähnlichen Status wie die Autorinnen und Autoren selbst gehabt. Sie waren angesehene Intellektuelle. Das gibt es heute nur noch sehr vereinzelt – denken wir beispielsweise an den einzigartigen Stil Harry Rowohlts, der Pu, den Bären, rumpeldidumpeln ließ. Auch Dr. Erika Fuchs übersetzte sich in die Herzen der deutschen Micky- und Donaldfans.

Neuschöpfung oder Übersetzung?

Dass Übersetzung immer auch eine Art Neuschöpfung ist, ist ein bekanntes Phänomen. Cho findet konkrete Beispiele für diesen fließenden Übergang im Korea des frühen 20. Jahrhunderts: Hier tauchte der Name eines Übersetzers oft auf dem Buchdeckel auf, während der Name des Autors weggelassen wurde. Übersetzung sei früher nicht unbedingt als zweitrangig oder als Kopie eines Originals gesehen worden.

Chos Botschaft

Das ist genau das, was Cho den Lesern ihres Buches mitgeben möchte: Ein Verständnis dafür, wie sich die Bedeutung der Übersetzung und die Rolle des Übersetzers im Laufe der Zeit verändert haben. Die Bewusstmachung sei wichtig, weil es uns an die Stigmata erinnere, die Übersetzungen häufig anhaften: dass sie zweitklassig seien. Dabei sei dieser Gedankengang nichts weiter als ein historisches Konstrukt, so Cho. Der historische Blickwinkel halte uns außerdem davon ab, Kulturen zu stigmatisieren, deren moderne Literatur einen Großteil an Übersetzungen enthalte.

 

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