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24.11.2016

Deutsch im Matheunterricht

Deutsch gehört auch in die naturwissenschaftlichen Fächer. Doch die beiden Disziplinen scheinen gegensätzlich: Wer gut in dem einen Fach ist, ist schlecht in dem anderen. Ein Trugschluss. Warum?

Schule, Sprache

Elite und Nichtelite?

Am 20.11.2016, einem Sonntag, war Kanzlerin Merkel zu Gast bei Anne Will. Es ging um Merkels Kandidatur für die Bundestagswahl 2017. Aber nicht nur; es ging auch um „das gemeine Volk“ und die „Elite“. Woraus Kanzlerin Merkel für sich ableite, dass sie „Teil der Lösung des Elitenverdrusses“ sei, wollte Frau Will wissen, oder ob Frau Merkel doch eher „Teil des Problems“ sei, da so viele Menschen die Eliten und deren „Establishment“ kritisierten. Mit dieser „Unterscheidung der Bevölkerung“ tue sie sich sehr schwer, so die Kanzlerin. Alle hätten eine Stimme unter allen Wahlberechtigten, auch sie selbst. Jeder könne sich einbringen. Es sei nicht so, dass nur die Kritiker und Neinsager das gemeine Volk seien, während die Problemlöser und Einbringer „plötzlich nicht mehr das Volk sind“, sondern die Elite.

Was macht den Unterschied?

Doch wieso empfinden viele Menschen trotzdem, dass es einen Unterschied gibt? Was unterscheidet einen Bauarbeiter von einem Politiker? Eine Krankenschwester von einer Anwältin? Eine Wissenschaftlerin von einem Dichter? Eine Antwort könnte sein: die Sprache. Ein Bauarbeiter kennt Konzepte und damit Wörter, die ein Politiker nicht kennt und umgekehrt. Die Krankenschwester weiß, welche Wörter in einem Krankenbericht fehl am Platz sind. Anwälte sind das Paradebeispiel für einen Fachjargon, den Otto Normalbürger nicht versteht.

Andere Ausdrucksweise, andere Denkweise

Der eigene Jargon einer Berufsgruppe ist normalerweise nicht im böswilligen Ausschließen der Allgemeinheit begründet. Vielmehr spiegeln die unterschiedlichen Sprachstile die Art wider, wie die Menschen die Welt sehen: Mathematiker und Naturwissenschaftler erwarten von den Abhandlungen, die sie lesen, keinerlei Voreingenommenheit der Autoren. Historiker erwarten diese Voreingenommenheit und suchen gezielt unterschiedliche Blickwinkel auf eine Sache. Dichter heißen die Voreingenommenheit willkommen – schließlich wollen sie die Leser fesseln.

Kurzum: Alle verstehen die Welt auf ihre Weise und verwenden Sprache unterschiedlich, um diese Weltsichten zu vermitteln. Die logische Konsequenz ist, dass Satzstrukturen und Vokabular verschieden sind: Ein Laborbericht wird kaum dieselbe Sprache aufweisen wie ein Roman. Eine Bundeskanzlerin wird sich anders ausdrücken als ein Dichter.

In der Schule

Kehren wir zurück in die Schule: Bereits dort erwarten Lehrer von ihren Schülern, dass sie Laborberichte in den Naturwissenschaften hinkriegen, Kurzgeschichten auf Englisch verfassen, mathematische Beweise führen, Forschungsberichte in Geschichte schreiben und im Deutschunterricht Romane interpretieren. Die verschiedenen Fachjargons müssen sie in jedem Fach lernen, denn: Jeder Lehrer ist auch ein Sprachlehrer. Es kann ja nicht jeder poetisch-schwulstig und gleichzeitig wissenschaftlich schreiben – wie Johann Wilhelm Ritter in Thea Dorns Die Unglückseligen.

 

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