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29.03.2016

Deutsch vom Rand aus gesehen

Längst ist der Facebook-Chat Bestandteil unserer Kommunikation geworden. Dass diese Art des Gesprächs auch in das Romangenre Einzug halten kann, zeigt Senthuran Varatharajah. Der Debütroman des Philosophie-Doktoranden mit sri-lankischen Wurzeln beschäftigt sich unter anderem mit dem sprachlichen Randgebiet, in dem geflüchtete Menschen oft ein Leben lang bleiben – trotz nahezu perfektem Deutsch.

Facebook

Sprache mit Distanz

"Vor der Zunahme der Zeichen" hat zwei Geflüchtete als Protagonisten, die sich über Deutschland, ihre neue Heimat, ihre Flucht und ihre Vergangenheit unterhalten. Varatharajah lässt sie das nicht auf gewöhnliche Art tun, sondern schildert ihr Gespräch auf Deutsch in einem Facebook-Chat. Wichtige Fragen, die der Roman stellt: Was macht das Erlebnis einer Flucht mit Menschen? Wie hängen Sprache und Migration zusammen?

Dass die Hauptpersonen, Kosovo-Albanerin Valmira und der Tamile Senthil (der, wie der Autor, aus Sri Lanka stammt), auf Deutsch schreiben, zeigt die Distanz, mit der die beiden sich ihrem neuen Heimatland nähern. Varatharajah wollte eine Art nicht-vertrautes Deutsch dafür finden. Das Gespräch zwischen Valmira und Senthil ist eine Art moderner Briefroman, der sich auf Facebook entwickelt.

Authentischer Facebook-Stil – nur auf den ersten Blick

Wie bei Facebook stehen über den Nachrichten Name des Verfassers und die Zeit des Verschickens. Senthil beginnt jedes Wort mit einem kleinen Buchstaben. Schaut man tiefer in die Dialoge hinein, erkennt man allerdings schnell, dass Kommas an der richtigen Stelle sitzen, die Rechtschreibung ansonsten tadellos ist und die Sätze anspruchsvoll geschachtelt sind. Ein Beispiel: "als mein cousin, ihr neffe, siebzehn jahre jünger als sie, die möblierte studentenwohnung schlüsseldrehend betrat, die er gemeinsam mit seiner schwester wenige wochen zuvor erst bezogen hatte, versteckte sie sich in einem winkel der küche, in der sie das abendessen zuzubereiten begann."

Randblick auf das Deutsche

Realistisch Facebookisch und hastig-provisorisch soll es auch gar nicht klingen: Der Autor möchte den Zusammenhang zwischen Migration und Sprache erörtern und philosophisch darstellen. Wie fühlt sich jemand, der Deutsch fast tadellos beherrscht und es dennoch nicht als Muttersprache bezeichnen kann? Wie fühlt sich der Moment an, in dem man – als Erwachsener, nicht als Kind – endlich begreift, dass man vor einem Brief nicht resigniert, wenn man ihn aufgibt? Dieser "Randblick" auf die deutsche Sprache vereint die beiden Protagonisten.

Der Autor sagt selbst über seinen Roman: "Was ich mit dem Roman versucht habe, ist - im Grunde genommen - zu sehen, wie Sprache, Schreiben, Sprechen durch die Bedingungen von Flucht und Tod beeinflusst werden." Der Titel "Vor der Zunahme der Zeichen" erinnert nicht nur an bekannte Sprachphilosophen wie Ferdinand de Saussure und Ludwig Wittgenstein. Senthils Familie entschließt sich auch zur Flucht, "bevor die Zeichen zunehmen" und es zu gefährlich wird.

Den ganzen Beitrag finden Sie bei Deutschlandradio Kultur.

 

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