Übersetzungsunternehmen Kocarek GmbH
Facebook LinkedIn GooglePlus Besuchen Sie uns auf Twitter YouTube

+49 201 24 69 90-0 | info@kocarek-gmbh.com

Übersetzungsunternehmen Kocarek GmbH
Home » News
17.01.2017

Die pfeifen drauf!

Was haben die Bewohner des griechischen Bergdorfs Antia und der kanarischen Insel La Gomera gemeinsam? Abgesehen von ihrer geografischen Abgelegenheit teilen die beiden Orte eine pfiffige Besonderheit.

Pfeifsprachen

Sfyria und El Silbo

Die Griechen nennen sie "Sfyria", die Bewohner La Gomeras "El Silbo". Beide Wörter lassen sich mit "Pfiff" ins Deutsche übersetzen: Es handelt sich um Pfeifsprachen, bei denen die Kommunikation ausschließlich durch Pfiffe geschieht. Pfeifsprachen sind dort besonders verbreitet, wo Menschen über lange Distanzen hinweg (ohne Internet, versteht sich) kommunizieren wollen. Die melodischen Pfeifsprachen klingen wie das Trällern bunter Urwaldvögel. Kleine Kostprobe gefällig?

Warnung & Verständigung

Während des Franco-Regimes arbeiteten Mitglieder der Guardia Civil auf La Gomera. Damals, in den 1940er und 50er Jahren, benutzten die Einheimischen La Gomeras ihre Pfeifsprache, um einander zu warnen, wenn die Guardia Civil kam. Außerdem haben die Inselbewohner früher Ärzte und Pfarrer mithilfe von El Silbo gerufen. Den Gomeros zufolge gibt es die Pfeifsprache seit mindestens 500 Jahren. Bei guten Windverhältnissen schallen die Zwitscherlaute bis zu acht Kilometer weit.

Entstehung der Pfiffe

So entstehen die Pfiffe: Man formt den Zeigerfinger der einen Hand zu einem spitzen Winkel und schiebt sich den Fingerknöchel zwischen die Lippen. Die andere Hand hält man an den Mund. Dann stößt man Luft aus, während man Zunge und Lippen jeweils in bestimmte Positionen führt. El Silbo kennt die vier Vokale a, e, i und o sowie die vier Konsonanten k, ch, y und g.

Erste Fremdsprache: El Silbo

Vor gar nicht allzu langer Zeit hörte es sich auf La Gomera noch an wie in einem Vogelkäfig. Dann kam das Telefon und die Gomeros zeigten, dass sie alles andere als Pfeifen sind: Um die Sprache am Leben zu erhalten, lernen Schulkinder die Pfeifsprache – und zwar seit inzwischen 16 Jahren als Pflichtfach und erste Fremdsprache. El Silbo ist sogar Teil des Unesco Weltkulturerbes.

Pfeifen, Berge & Landwirtschaft

Während die Gomeros alles dafür tun, ihre Pfeifsprache am Leben zu erhalten, pfeift Sfyria, das auf der griechischen Insel Evia im Dorf Antia gepfiffen wird, leider aus dem letzten Loch. Außer in Antia und La Gomera gibt es übrigens noch Pfeifsprachen in Kuşköy (Türkei), in den Pyrenäen und im Atlasgebirge Marokkos. Alle Regionen haben neben den Pfeifsprachen gemeinsam, dass die Landschaft bergig und rau ist und die Einwohner hauptsächlich von Landwirtschaft und Tierzucht leben. Eine Voraussetzung für die pfiffige Kommunikation ist außerdem etwas, das vielerorts inzwischen Mangelware ist: Stille.

 

Kocarek GmbH | Kronprinzenstraße 5-7 | 45128 Essen | Tel.: +49 201 24 69 90-0 | Fax: +49 201 24 69 90-10 | info@kocarek-gmbh.com