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22.09.2015

Die Sprache der Musik III: Wo kommt sie her?

Musik ist Gesang. Musik ist Melodie. Musik ist Rhythmus. Musik ist das Trommeln von Regentropfen gegen die Fensterscheibe. Musik sind organisierte Schallereignisse. Musik vermittelt Botschaften. Musik ist eine Sprache. Was machte den Menschen zum „singende[n] Geschöpf, aber Gedanken mit den Tönen verbindend“? Das obige Zitat stammt von Wilhelm von Humboldt aus dem Jahr 1836. Humboldt und Darwin haben gemeinsam, dass sie sich über diese Frage den Kopf zerbrachen. In ihrer Tradition beschäftigen sich noch immer zahlreiche Wissenschaftler mit dem Thema, darunter W. Tecumseh Fitch von der Universität in Wien. Eine einfache Erklärung für die Existenz der Musik gibt es jedoch nicht.

Die Sprache der Musik. Wo kommt Sie her?

Aufrechter Gang: Gesang durch gesenkten Kehlkopf möglich?

Vermutlich wurde der Mensch vor ca. zwei Millionen Jahren zu einem „singende[n] Geschöpf“: Es war jene Zeit, in der der Mensch damit begann, aufrecht zu gehen. Bei diesem Homo ergaster sank als Folge des aufrechten Gangs der Kehlkopf.

Das allein war jedoch nicht genug: Viele Säugetiere können ihren Kehlkopf vorübergehend senken und so Laute produzieren. Hirsche haben sogar einen dauerhaft gesenkten Kehlkopf. Dennoch stromern Säugetiere nicht spontan singend oder gar sprechend durch unsere Wälder. So war der gesenkte Kehlkopf vermutlich ein erster Schritt in Richtung Gesang und Sprache, aber bei Weitem nicht der ausschlaggebende. Fitch fasst in seinem Buch „The Evolution of Language“ zusammen, dass die wesentlichen Veränderungen in der Evolution der Sprache neural zu sein scheinen (2010, s. 336). Welche Umstände führten zu einer Veränderung des Gehirns?

Kommunikation und sexuelle Selektion

Etwas anderes geschah zur Zeit des Homo ergaster: Er lebte in größeren Gruppen und musste sich kommunikativ darauf einstellen, so eine Theorie. Eine andere geht davon aus, dass Musikalität ein wichtiger Faktor bei der sexuellen Selektion war. Betrachten wir die kreischenden, vorwiegend weiblichen Mengen bei so manchen Konzerten, scheint diese Theorie durchaus der Wirklichkeit zu entsprechen. Musiker scheinen einen selektiven Vorteil vor Dichtern zu haben, die zwar mit Worten bewegen, aber deren Bücher allzu oft in den Buchhandlungen verstauben. Gesungene Gedichte wirken anders als gesprochene. Forscher gehen inzwischen davon aus, dass sowohl Kommunikation (allerdings anfangs eher innerhalb der Familie, besonders zwischen Mutter und Kind) als auch sexuelle Selektion wichtige Faktoren bei der Entwicklung der Musik waren.

Gesang ist Phonologie.

Fitch kommt in „The Evolution of Language“ zu diesem Schluss (2010, s. 469). Er vergleicht Sprachmerkmale mit Musik, wie er es bereits in einem früheren Artikel getan hatte. Die Phonologie der Sprache sei Musik so ähnlich, dass es einen näheren Zusammenhang geben müsse: eine musikalische Protosprache. Sie kann nur ein Teil des Gesamtbildes sein, aber dennoch ein sehr großer.

Die Existenz von Musik sei, so Fitch, das bisher beste Beispiel einer hypothetischen Protosprache, die lebendig ist. Musik ist kein sinnloses Überbleibsel, sondern gehört zum Menschsein dazu. Waren die Menschen vor zwei Millionen Jahren also alle begnadete Sänger, getrieben von der Notwendigkeit der Kommunikation und der sexuellen Selektion? Wie könnte sich unsere Sprache aus der Musik entwickelt haben? Darum geht es in der nächsten News der Kocarek GmbH.

 

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