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12.01.2016

Die zwei Gesichter der Krise

Wer "Krise" hört, verfällt schnell in Panik: Alles geht den Bach runter, das Desaster ist perfekt. Die Medien schreiben immerzu von der "Flüchtlingskrise", im letzten Jahr lasen wir von der VW-Krise. Nicht selten geht es um Banken- und Finanzkrisen. Doch was liegt eigentlich in dem Wort "Krise" – nur Schlechtes?

Krise

Duden: Schwierigkeiten mit Wendepunkt

Befragen wir zuerst den Duden. Er definiert die Krise zunächst als eine "schwierige Lage, Situation, Zeit [die den Höhe- und Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung darstellt]; Schwierigkeit, kritische Situation; Zeit der Gefährdung, des Gefährdetseins." Interessant ist besonders der Teil, der in eckigen Klammern steht: Die Krise enthält das Element "Höhe- und Wendepunkt".

Wortherkunft: Von Entscheidung zu Zuspitzung

"Krise" leitet sich vom altgriechischen Wort "krisis", κρίσις,  ab. Es bedeutet eigentlich "Beurteilung", "Entscheidung", "Meinung" und erhielt später die Zusatzbedeutung "Zuspitzung". "krisis" wiederum kommt vom altgriechischen Verb "krínein", das "unterscheiden" oder "trennen" bedeutet. Später erhielt das altgriechische Wort unter Beeinflussung des Lateinischen und Französischen die Zusatzbedeutung "Wendepunkt".

Medizin: Wendepunkt entscheidend

In der Medizin ist der Wendepunkt entscheidender Teil der "Krisis". Laut Duden handelt es sich um einen kritischen Wendepunkt beim Verlauf einer Krankheit.  Bereits im Corpus Hippocratium steht, dass es sich um eine Krise handele, "wenn sich die Krankheiten verstärken, nachlassen, in eine andere Krankheit umschlagen oder aufhören." Das Wort wurde zunächst hauptsächlich im medizinischen Zusammenhang verwendet, vor allem bei Fieberkrankheiten: "Krise" war bereits im 16. Jahrhundert der schlimmste Zeitpunkt einer Fiebererkrankung, wonach das Fieber wieder sank. Der genaue Krisenzeitpunkt konnte also immer erst im Nachhinein festgestellt werden.

Das ist auch heute noch so. Wenn wir von einer Krise sprechen, wissen wir erst hinterher, wann der eigentliche Zeitpunkt der Krise war: Kurz bevor es wieder besser wurde. Der Wendepunkt scheint also neben Jetzt-geht-alles-den-Bach-runter essentieller Bestandteil der Krise zu sein.

Chinesisch: Die Chance in der Krise

Das zweigeteilte Gesicht der Krise wird in den chinesischen Schriftzeichen für "Krise" besonders deutlich: 危机(weiji). "Wei" heißt Gefahr, "ji" Gelegenheit: Eine Krise ist eine Bedrohung, die gleichzeitig eine Gelegenheit ist. Eine Krise ist bedrohlich, gibt aber auch die Chance, es anders, besser zu machen.

Eine Krise ist also in ihrer eigentlichen Wortbedeutung nicht gleich das Ende der Welt. Wenn sie nicht besser wird, wird sie zur Katastrophe. Wenn sie Krise bleibt, folgt die Chance.

 

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