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06.07.2015

Eine Sprache der Schicksalhaftigkeit: Wie Metaphern die Griechenlandkrise beschreiben

Von „faulen“ Krediten war die Rede, die die Finanzmärkte Europas und der Welt mit einem „Sturm“ kräftig durcheinanderwirbeln könnten. In den vergangenen Wochen und Monaten lasen wir immer wieder von „toxischen Wertpapieren“, vom „griechischen Patienten“ und von der Hoffnung, dessen „Krisensymptome“ irgendwie durch die „Selbstheilungskräfte des Marktes“ lindern zu können.

Theater des Epidaurus

Metaphern aus der Medizin und der Wetterkunde müssen herhalten, um die Krise als Krankheit oder Unwetter für jedermann greifbar zu machen. Ist das alles ein unabwendbares Schicksal, das es zu therapieren oder einfach nur zu überstehen gilt?

Eine echte griechische Tragödie

Die Worte „unabwendbares Schicksal“ bringt Nils Markwardt in diesem interessanten Artikel mit Aufbau und Ausgang der griechisch-antiken Tragödien in Verbindung: Hier ist die finale Katastrophe stets unabwendbar. Merkels Ausspruch, dass Tsipras sein Land „sehenden Auges gegen die Wand fahren“ lasse, erinnert an das Blindheitsmotiv in König Ödipus: Der König, der lange sehend blind ist und den Mut und Ehrlichkeit immer tiefer in die Tragödie ziehen, bis er schließlich blind, doch sehend, die Wahrheit erkennt.

Wer spielt den Deus ex machina?

Und diese Frage scheint zentral in der derzeitigen „griechischen Tragödie“, in diesem „Schuldendrama“ – um einige der häufig verwendeten Theater-Metaphern zu strapazieren: Führt Tsipras sein Volk sehend blind in den „Kollaps“ oder ist er auf dem Weg, die finale Katastrophe nach einer ordentlichen Portion phobos (Schaudern) und eleos (Jammer) doch noch abzuwenden? Am Ende entspräche beides der griechisch-antiken Tragödientradition, auch wenn in der zweiten Version womöglich das weniger elegante Hilfsmittel eines  Deus ex machina vonnöten wäre. Diese Rolle möchte vielleicht der zurückgetretene griechische Finanzminister Varoufakis spielen: Gehen, um zu retten.

„Das Leben ist eine Metapher.“

In modernen Dramen ist der Deus ex machina heutzutage vor allem eines: Ein Sinnbild von Ironie. Laut Oshima, einer Romanfigur in Murakamis fantastischem Roman „Kafka am Strand“, verleiht Ironie einer Person Tiefe und hilft ihr dabei, zu reifen. Oshima zitiert Faust II in eigenen Worten: Aus „Alles Vergängliche / Ist nur ein Gleichnis“ wird, dass alles im Leben eine Metapher sei. Das Fazit des damals 80-jährigen Goethes ist bis nach Japan durchgedrungen. Ist auch die Griechenlandkrise eine solche Metapher, und wenn ja, wofür? „In other words, we accept irony through a device called metaphor. And through that we grow and become deeper human beings”, so Oshima. Vielleicht brauchen wir Metaphern, um die Ironie der Krise zu erfassen und uns dadurch weiter zu entwickeln, als Deutsche, als Griechen, als Europäer. Ob uns die metaphorische Suche nach dem Kern der Krise der wirklichen Wahrheit näher bringt oder ob die wirkliche Suche in einer metaphorischen Wahrheit endet, bleibt offen.

 

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