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30.08.2016

Fehlendes Euronesisch & Verrohung der deutschen Sprache

Heute geht es um zwei aktuelle Themen in den Sprachnews der Kocarek GmbH: Europa hat keine gemeinsame Sprache und die gemeinsame Sprache der Deutschen scheint zu verrohen.

Europa

Euronesisch: Das Erbe der Briten?

In China gibt es Mandarin, in Russland Russisch, in den USA Englisch und im Römischen Reich sprach man Latein. Vielvölkerstaaten sind meist durch eine Hauptsprache geeint. Das frühere Deutschland, wenn auch viel kleiner als die oben genannten Staaten, tat sich unter der die Völker verbindenden deutschen Sprache zusammen – und unter feindlichem Druck von außen. In Europa hingegen gibt es kein gemeinsames Euronesisch.

In Europa gibt es auch keine Sprache, die so viele Sprecher hätte, dass sie als Euronesisch taugen könnte. Der Staatenbund wird außerdem nicht durch äußerliche Feinde bedroht (eher von innen durch den Brexit und die EU-Exititis). Englisch hingegen war lange das Euronesisch der EU, doch wird es das nach dem Brexit bleiben? Es müsste in allen Mitgliedsländern als die Hauptsprache Europas bereits ab der Grundschule gelehrt werden, damit die Bürger der Staaten untereinander gut miteinander kommunizieren können. In vielen Staaten ist das bereits der Fall, auch wenn Englisch nicht als "Hauptsprache Europas" deklariert wird. Möglicherweise hinterlassen die Briten nach dem EU-Ausstieg ihre Sprache als EU-Erbe.

Wie unsere Sprache verroht

Während der EU eine gemeinsame Sprache fehlt, mangelt es der deutschen Sprache zunehmend an eloquenter Finesse. Das hat Heidrun Kämper vom Institut für Deutsche Sprache beobachtet. Aussagen von Pegida, AfD & Co. ähneln der NS-Sprache; es handelt sich also nicht um neue Wörter.

"Volksverräter", "Lügenpresse" und "Dreckspack" gab es schon einmal in der Geschichte der deutschen Sprache – und in der Geschichte der Deutschen. Man verwende die NS-Sprache inzwischen viel offener und hemmungsloser, so Kämper. Solche Denkweisen oder Äußerungen seien nie vollständig verschwunden gewesen, fügt Sprachwissenschaftler der Freien Universität Berlin, Anatol Stefanowitsch, hinzu. Soziale Netzwerke seien als Kommunikationsmittel inzwischen jedoch so wichtig geworden, dass die NS-Sprache vom Verborgenen ins Öffentliche getreten sei.

Angstrhetorik

Man spricht auch von "Angstrhetorik". Diese bezeichne nicht etwa die NS-Vergangenheit mitsamt Judenhass, Führerfantasien oder Überfremdungsängsten, wie aus der Studie "Die enthemmte Mitte" hervorgeht. Vielmehr richte sich die Angstrhetorik gegen bestimmte Gruppen, denn deren Verwender würden merken, dass das eher akzeptiert werde, als die NS-Vergangenheit zu verherrlichen.

Auswirkungen auf die Sprache der Parteien

Kämper glaubt dennoch nicht, dass die neuen alten Ausdrücke sich auf die Sprache der Parteien auswirken – zumindest nicht auf die der etablierten. Sie habe nicht den Eindruck, dass demokratische Politiker in einer verrohten Sprache sprächen. Stefanowitsch meint, dass Politiker der AfD sich bewusst der Angstrhetorik bedienen, um die eigenen Positionen mittig erscheinen zu lassen. Ein Beispiel hierfür sei, dass Tabus gebrochen und dann zurückgenommen werden würden. Das Gesagte bleibe jedoch stehen, menschenverachtende Ausdrücke wirkten so immer normaler, so Stefanowitsch.

 

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