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15.12.2015

Flüchtlinge und Smombies

Es ist wieder an der Zeit: die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat das Wort des Jahres 2015 gekürt. Es lautet "Flüchtlinge". In den Top Ten außerdem vertreten: Mogel-Motor, Flexitarier und Selfie-Stab.

Wort des Jahres 2015

Beliebtheit und Signifikanz

Wendungen oder Wörter dürfen in die Top Ten, wenn sie "den öffentliche Diskurs des Jahres wesentlich geprägt und das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben sprachlich in besonderer Weise begleitet haben", so die GfdS. Dabei gehe es nicht darum, wie häufig ein Wort falle, sondern darum wie beliebt und signifikant es sei.

"Flüchtlinge": Sprachlich originell?

Das Wort "Flüchtlinge" erfüllt zweifelsohne alle diese Kriterien. Oder? Warum haben "Flüchtlinge" uns sprachlich auf besondere Weise begleitet? Die GfdS begründet es so: Wörter, die aus Verben und dem Suffix -ling gebildet werden, klingen eher abschätzig: Ein Eindringling ist unerwünscht, ein Schreiberling schreibt zwar viel, aber schlecht. Das Suffix verleiht vielen Wörtern ebenso eine gewisse Passivität: Ein Schützling wird beschützt, ein Lehrling  wird belehrt. Somit ist "Flüchtlinge" eigentlich ein negativ konnotierter Begriff, der mit Passivität einhergeht – und Punkt. Es gibt kein Happy End: Die Jury schreibt nichts davon, dass der Begriff in irgendeiner Weise eine Wendung zu einer positiven Konnotation genommen hat, und somit erst sprachlich richtig interessant werden würde. Sie merkt jedoch an, dass man neuerdings alternativ das Wort "Geflüchtete" verwende. Ob das Wort sich durchsetzten wird, müsse man allerdings abwarten.

Auch Alfons Kaiser bemängelt die mangelnde Originalität des Wortes, das nur inhaltlich sehr gut auf den ersten Platz passe. Er erklärt die Etymologie des Wortes: Es leite sich ab vom lateinischen Wort "fuga" (= Flucht). Über das althochdeutsche "fluht" und mittelhochedeutsche "vluht" sei es dann zu uns gekommen. Seitdem taucht es immer wieder in Gedichten, Liedern und Dramen auf. So auch im Faust:

"Bin ich der Flüchtling nicht? der Unbehauste? /
Der Unmensch ohne Zweck und Ruh, /
Der wie ein Wassersturz von Fels zu Felsen brauste, /
Begierig wütend nach dem Abgrund zu?"

Die Top Ten

1.       Flüchtlinge

2.       Je suis Charlie: Solidarität mit den Opfern des Terroranschlags auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" im Januar 2015

3.       Grexit: Auch als Vorbild für weitere Neologismen, z. B. "Brexit", "Alexit", "Schwexit" verwendet; der Grexident ("Grexit by Accident") wurde vermieden. Die Lösung: das "Agreekment".

4.       Selektorenliste: Mithilfe der Liste hat der BND die NSA bei der Ausspähung von Daten unterstützt.

5.       Mogel-Motor: schöne Alliteration, die den VW-Skandal sprachlich charakterisiert

6.       durchwinken: Geflüchtete durchwinken, nicht aufnehmen

7.       Selfie-Stab: eine weitere Alliteration über eine technische Neuerung

8.       Schummel-WM: Bestechung bei der Vergabe der Fußball-WM 2006

9.       Flexitarier: Teilzeitvegetarier

10.   Wir schaffen das!: Angela Merkel hat diesen Satz zur Bewältigung der Geflüchtetenkrise gerade erneut erklärt und verteidigt.

Und das Jugendwort des Jahres 2015?

Smombie: Ein Mensch, der durchgehend auf sein Smartphone starrt und die Umgebung nicht mehr wahrnimmt, ähnlich wie ein Zombie: Man ist nicht wirklich da, obwohl man da ist. Smombie ist eine sprachlich kreative Weiterentwicklung von "Generation Kopf unten", dem Platz 10 der Top Ten Wörter des Jahres 2014.

 

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