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21.04.2016

Geflüchtete Menschen unterrichten Arabisch via Skype

Moulham Ibrik lebt seit Herbst letzten Jahres in Paris. Er macht ein Studium zum Mediziningenieur – das ist jemand, der Prothesen herstellt. Daneben studiert er Intercultural Business und nimmt an einem Sprachkurs in Französisch teil. In seiner Freizeit bringt der 27-jährige Syrer außerdem Studenten aus der ganzen Welt Arabisch bei. Wie funktioniert das?

Arabischunterricht via Skype

NaTakallam

Ibrik ist auf der Onlineplattform "NaTakallam" registriert. "NaTakallam" heißt "wir sprechen" auf Arabisch. Genau das tun Ibrik und seine Arabischschüler. Die Plattform richtet sich vorerst an Studenten, die bereits über einige Arabischkenntnisse verfügen. Diese werden dann mit syrischen Flüchtlingen in Kontakt gesetzt. Das Besondere an NaTakallam ist, dass die syrischen Sprachpartner keine zertifizierten Lehrer sind, die nach strukturierten Lehrplänen arbeiten. Es sind geflüchtete Menschen, die sich ein kleines Einkommen sichern, indem sie mit anderen Menschen Arabisch sprechen üben. In der ungewöhnlichen Lernumgebung entwickeln sich Freundschaften, die in einem "normalen" Klassenraum mit Professor und Schülern nicht entstehen könnten.

Besondere Umstände

Die Sprachpartner befinden sich im Libanon, in Frankreich, Deutschland, der Türkei, Ägypten und Brasilien. Die Lebensumstände der Sprachpartner sind oft von Unsicherheiten geprägt. Im Libanon, wo sich derzeit die meisten der geflüchteten, syrischen Sprachpartner aufhalten, fällt der Strom öfter mal aus. In Flüchtlingsunterkünften sind Internet und Arbeitsplatz nicht immer zuverlässig. Darüber informieren die Richtlinien von NaTakallam.

Win-win-Situation

Die Plattform verhilft nicht nur geflüchteten Menschen zu einem kleinen Einkommen. NaTakallam ist auch für Sprachstudenten eine günstigere Alternative als Volkshochschul- oder Universitätskurse und persönliche Lehrer. Die syrischen Sprachpartner freuen sich darüber, dass sie im Ausland ihre Muttersprache praktizieren können. Der kulturelle Austausch trägt zum gegenseitigen Lernen bei: Da auch über das alltägliche Leben gesprochen wird, lernen viele Arabischschüler das Leben der geflüchteten Menschen aus einer sehr persönlichen Sicht kennen.

Umgekehrt lernen auch die syrischen Sprachpartner vieles. Ibrik meint, er lerne oft mehr, als er unterrichte, z. B. wie sich Gesichtsausdrücke je nach Herkunft seiner Schüler verändern, wie ihr tägliches Leben aussieht und welche Traditionen sie haben. "Ich kann Menschen aus verschiedenen Kulturen treffen und mit ihnen sprechen. Das ermöglicht es mir, mit Menschen zu kommunizieren, egal, wo sie herkommen", erklärt Ibrik der Zeitung The Daily Dot. "Mit wem auch immer ich spreche, ich habe immer das Gefühl, dass wir alle gleich sind. Von außen sind wir alle unterschiedlich, aber innerlich haben wir alle dieselben Gedanken."

Zukunftspläne

Einige Sprachpartner arbeiten auch mit Schülern, die noch keine Vorkenntnisse haben. Das möchte Mitgründerin Aline Sara ausbauen: Das Unternehmen sei dabei, ein neues Programm zu entwickeln, mit dem Anfänger mehr strukturiert lernen können. Dazu sollen die Lehrpläne für umgangssprachliches und traditionelles Arabisch der Cornell Universität durch ein Premiumfeature zugänglich gemacht werden. Studenten können sich ihre Arabischkenntnisse dann außerdem an Hochschulen anerkennen lassen.

Für jüngere Arabischlerner möchte NaTakallam in Zukunft kulturellen Austausch fördern: Hierfür sollen Oberstufenschüler aus einer Flüchtlingsunterkunft oder dem Jordan Oberstufenschüler aus den USA "treffen", um Englisch und Arabisch zu üben.

Das Schöne an NaTakallam ist, dass die Flüchtlingskrise in einen persönlichen Kontext gestellt wird: "Es gibt ein Verständnis, dass direkt von der Quelle kommt und nicht durch Medien gefiltert wird", erklärt Sara.

 

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