Übersetzungsunternehmen Kocarek GmbH
Facebook LinkedIn GooglePlus Besuchen Sie uns auf Twitter YouTube

+49 201 24 69 90-0 | info@kocarek-gmbh.com

Übersetzungsunternehmen Kocarek GmbH
Home » News
09.07.2015

Geschlechtergerechte Sprache motiviert bei der Berufswahl

Sind geschlechtergerechte Formulierungen unnötig kompliziert? Laut Bettina Hannover, Professorin für Schul- und Unterrichtsforschung an der FU Berlin, ist das Gegenteil der Fall, wenn es um Berufsbezeichnungen geht. Das Ergebnis ihrer Studie: Junge Frauen trauen sich eher zu, einen typisch „männlichen Beruf“ zu lernen, wenn die jeweilige Berufsbezeichnung gendergerecht ist.

Geschlechtergerechte Sprache

Selbstwirksamkeit: Der Glaube an das eigene Können

Hannover, die ebenfalls Psychologin ist, erklärt das Ergebnis mit dem psychologischen Begriff „Selbstwirksamkeitserwartung“ (SWE). Das Prinzip des bekannten Psychologen Albert Bandura hat sowohl in der Psychologie als auch in der Pädagogik großen Anklang gefunden. Unter SWE versteht man die eigene Erwartungshaltung darüber, ob man etwas meistern kann oder nicht: Der Glaube an das eigene Können bestimmt in großem Umfang, wie wir unsere Fähigkeiten und unser Wissen einsetzen.

Hannover hat dieses Prinzip auf den Prozess der Berufswahl übertragen. Sie stellte fest, dass viele Mädchen in Bezug auf typische Männerberufe eine niedrige Selbstwirksamkeit haben: Sie trauen sich nicht zu, den jeweiligen Beruf meistern zu können. Hinzu kommt, dass „typisch männliche Aufgaben“ als schwer gelten. Geschlechtergerechte Formulierungen wirken, so das Ergebnis der Studie, der geringen Selbstwirksamkeit entgegen. Es entstehen weniger Stereotypisierungen, die Aufgaben erscheinen bewältigbar und die Mädchen trauen sich die Ausübung des Berufes eher zu.

Aus der Sprache, aus dem Sinn

Der Grund für die niedrige Selbstwirksamkeitserwartung der Mädchen ist ein offensichtlicher: Werden Frauen nicht explizit genannt, sehen sie sich nicht als Teil der Gruppe. Ob „mitgemeint“ oder nicht: Fakt ist, dass sie sprachlich unsichtbar sind. Werden weibliche und männliche Personen hingegen explizit erwähnt, kann unser Gedächtnis die Informationen aktivieren, die auf die entsprechende Personengruppe abzielen. Das mentale Bild von Frauen und Männern in weißen Kitteln stellt sich erst ein, wenn von „Ärztinnen und Ärzten“ die Rede ist.

Kinder schätzen Berufe, die von Frauen ausgeübt werden, als leichter ein.

Das ist ebenfalls ein Ergebnis der Studie: Bereits kleine Kinder scheinen dieses Stereotyp verinnerlicht zu haben. Die niedrigere SWE scheint also nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv wahrnehmbar zu sein. Andere Studien zeigen jedoch, dass dieses kompetenzbezogene Geschlechterstereotyp allmählich verschwindet: Frauen suchen und finden immer mehr Anerkennung für ihre Leistungen. Doch wie kann ein Stereotyp aus den Köpfen der Erwachsenen verschwinden, während es in denen der Kinder gerade entsteht?

Überraschend sei das Ergebnis aber nicht gewesen, so Hannover. Die kognitiven Mechanismen, die der Geschlechterwahrnehmung und dem Sprachgebrauch zugrunde liegen, bekunden, dass wir unsere Art zu sprechen immer wieder an neue Gewohnheiten anpassen: Sprachpolitische Entscheidungen können unsere Sprache also ganz direkt beeinflussen.

Weitere News der Kocarek GmbH zum Thema geschlechtergerechte Sprache können Sie hier nachlesen:

 

Kocarek GmbH | Kronprinzenstraße 5-7 | 45128 Essen | Tel.: +49 201 24 69 90-0 | Fax: +49 201 24 69 90-10 | info@kocarek-gmbh.com