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28.10.2014

Geschlechtergerechte Sprache: Wenn der Gast mit der Gästin zu Besuch kommt

Der neue Bericht Gender Equality – Heritage and Creativity der UNESCO unterstreicht, dass es im Bereich Kultur immer noch an der Gleichstellung von Geschlechtern mangelt. Der Bericht thematisiert geschlechtsbezogene Klischees und festgelegte Vorstellungen kulturell „passender“ Rollen für Frauen und Männer. Auch die deutsche Sprache spiegelt solche Klischees wider.

Leitfäden für eine geschlechtergerechte Sprache

Es gibt zahlreiche Leitfäden für eine geschlechtergerechte Sprache. Darunter befinden sich der Leitfaden der Schweizerischen Bundeskanzlei sowie eine bereits 1993 von der UNESCO herausgegebene Broschüre. Die Vorherrschaft des Männlichen in der deutschen Sprache macht eine geschlechtergerechte Sprachpolitik überhaupt erst notwendig.

Lehrlingin und Hebammerich?

Grammatikalisch ist der Lehrling männlich. Die Hebamme ist weiblich. Besonders Berufsbezeichnungen spiegeln festgelegte Rollen wider: Früher waren Lehrlinge ausschließlich männlich und Hebammen weiblich. Als die Rollen „durcheinander“ gerieten, war es lange in Ordnung, einen weiblichen Lehrling Lehrling zu nennen. Doch wer hätte eine männliche Hebamme Hebamme genannt? Es entstand ein klares Ungleichgewicht. Die Zeiten haben sich geändert. Gleichberechtigung ist an der Tagesordnung: Die Sprache passt sich allmählich an die kulturellen Veränderungen an.

Um die Gleichstellung der Geschlechter sprachlich auszudrücken, verwenden die deutsche Menschin und der deutsche Mensch hauptsächlich zwei Techniken:

1. Sichtbarmachung, einige Beispiele:

  • Wählerinnen und Wähler (Doppelformen)
  • Professoren/-innen (Schrägstrich)
  • Schüler(innen) (Klammer)
  • Hebamme und Entbindungspfleger (Lexemunterscheidung)
  • Kaufmann und Kauffrau (partielle Lexemunterscheidung)
  • Weibliche und männliche Lehrlinge (Attribut)
  • KollegInnen (Binnen-I)
  • Jedermann, jedefrau (Hyperparallelisierung)
  • Mensch, Menschin (Hyperkorrektur)
  • Satz- oder abschnittsweises Alternieren


2. Benutzung geschlechtsneutraler Formulierungen, einige Beispiele:

  • Die Alkoholiker = die Alkoholsüchtigen (substantivierte Adjektive)
  • Studenten = Studierende (substantivierte Partizipien)
  • Passivierung
  • Der Lehrer = die Lehrkraft (Abstraktion)
  • Mannschaft = Team (Synonym)
  • Man = mensch (Hyperneutralisierung)

Praktische Anwendbarkeit

Wie verhält es sich mit der praktischen Anwendung dieser Techniken – zum Beispiel beim Übersetzen, Dolmetschen und dem freien Verfassen von Texten? Viele der oben genannten Beispiele hindern den Lesefluss. Formulierungen wie „Menschin“, „Gästin“ oder „jedefrau“ haben sich (noch?) nicht durchgesetzt. Passive Formulierungen sind mehr oder weniger tabu. Schrägstriche, Klammern, Doppelformen und das Binnen-I wirken umständlich. Umschreibungen, wie Synonyme und Abstraktion, bieten sich an. Welche Alternativen gibt es außerdem?

Blick über den Tellerrand

Die Schweden sind den Deutschen in Sachen geschlechtergerechte Sprache um einiges voraus. Hier gibt es nicht nur männliche Krankenschwestern, sondern auch das geschlechtsneutrale Personalpronomen hen. Hen existiert zusätzlich zu hon (sie) und han (er). Es wird verwendet, wenn das Geschlecht einer Person unbekannt ist oder nicht spezifiziert werden soll. Im Juli dieses Jahres beschloss die Svenska Akademien, hen ab April 2015 in ihre Wortliste aufzunehmen. Die Wortliste, Svenska Akademiens ordlista (SAOL), ist die verbindlichste Wortliste für die schwedische Sprache.

Wir von der Kocarek GmbH beraten Sie gerne zu sprachlichen Besonderheiten einzelner für Sie relevanter Sprachen. Sprechen Sie uns an.

Zum ausführlichen Bericht Gender Equality – Heritage and Creativity der UNESCO.

 

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