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11.08.2015

Gewinn durch Übersetzung: Murakamis Roman „Wenn der Wind singt“

Gute Übersetzungen werden von Muttersprachlern angefertigt. Die Übersetzer nehmen beim Übersetzen Rücksicht auf linguistische und kulturelle Unterschiede. Sie vermeiden ungeschickte Formulierungen in der Zielsprache. Sie beherrschen eine Kunst, bei der Übersetzungsprogramme nicht mithalten können. Das Ziel: Nichts soll verloren gehen. Der Text soll so zu lesen sein, als ob er ursprünglich in der Zielsprache verfasst worden wäre. Für Murakami war Übersetzen jedoch ein Hilfsmittel, das ihm den Zugang zu seinem eigenen Text verschaffte.

Pinball

Das Problem: Wie schreibe ich gut?

Im Vorwort zu den beiden Romanen erzählt Murakam davon, wie er mit seiner Frau eine Jazz-Bar eröffnete. Das Paar sparte, leihte sich Geld und arbeitete hart, um die Schulden abzubezahlen. Es war schwierig, doch mit der Zeit lief es ganz gut für die beiden. Während eines Baseballspiels hatte Murakami dann eine Art Offenbarung: Er möchte einen Roman schreiben. Also tut er es. „Wenn der Wind singt“ entsteht. Doch Ernüchterung stellt sich ein: „Leider war ich nicht sonderlich beeindruckt von meinem Werk“, schreibt Murakami. „Es hatte zwar die ungefähre Form eines Romans, las sich aber weder interessant, noch erweckte es in mir den Wunsch, es zu Ende zu lesen. Und wenn schon der, der den Text geschrieben hatte, so empfand, wie musste sich dann erst der Leser fühlen!“

Die Lösung: Schreiben in einer Fremdsprache

Murakami versucht es also auf eine andere Weise: Er schreibt den Anfang des Romans auf Englisch. Und plötzlich geschieht etwas Interessantes. Der Autor beherrscht nur wenige Wörter und Konstruktionen im Englischen. Er ist also gezwungen, seine „komplizierten Gedanken“ auseinander zu wirren, damit sie in dieses einfache System passen. „Während ich mich mühsam voranarbeitete, entwickelte ich allmählich einen persönlichen Rhythmus.“ Er erklärt weiterhin: „Mein ganzes System ist so vollgepackt mit japanischen Wörtern und Ausdrücken wie ein bis unters Dach vollgestopfter Schuppen. Wenn ich also die Gefühle und Bilder in mir in Worte umwandeln versuche, entsteht ein hektisches Kommen und Gehen, das mitunter sogar zu einem Zusammenbruch des Systems führen kann. Doch die begrenzten Ausdrucksmöglichkeiten, die mir in der Fremdsprache zur Verfügung standen, ließen diese Möglichkeit von vorneherein nicht zu.“

Die Verschmelzung von Einfachheit und Komplexität

Tatsächlich ist es die Ausdrucksweise, die viele Murakamileser so schätzen: eine Einfachheit der Sprache, die ungeheure Komplexität vermittelt. Bei Murakami sind Einfachheit und Komplexität keine Gegensätze, sondern verbinden sich zu einer beeindruckenden Symbiose. Im Vorwort zu „Wie der Wind singt“ und „Pinball 1973“erhält der Leser erstmals die Erklärung, wie dieses Zusammenspiel ursprünglich zustande kam. Nachdem Murakami die Wirkung erkannt hat, schreibt er wieder auf Japanisch – behält aber den Stil bei, den er beim Schreiben auf Englisch entdeckt hat.

Natürlich handelt es sich bei der Vorgehensweise Murakamis nicht um ein Übersetzen, wie wir von der Kocarek GmbH es kennen und durchführen. Es handelt sich vielmehr um das Destillieren von Gedankengut auf seine eigentliche Essenz; das Übersetzen von Gedanken in Worte über den Umweg einer Fremdsprache. Und dies hat der gemeine Übersetzer mit dem Autor von „Wenn der Wind singt“ und „Pinball 1973“ gemeinsam: das Finden der Essenz jedes Satzes, jeder Konstruktion und jedes Wortes und deren Übertragung in eine andere Sprache.

 

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