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30.06.2016

Im Land der kriechenden Drachen & Maschinenvögelchen

Ganz Europa fiebert mit dem kleinen Land mit, das es so überraschend ins Viertelfinale der EM geschafft hat. Höchste Zeit also, einen Blick auf Islands Umgang mit den Fremdwörtern zu werfen – auch wenn es davon nur sehr wenige gibt: Die Isländer sind bereits Europameister im Erfinden kreativer Wörter für neue Phänomene.

Island

Frag doch einfach die Rechenhexe

Im IT-Bereich schleichen sich am häufigsten Anglizismen in die verschiedenen Sprachen Europas ein. Nicht so im Isländischen. Aus Computer wird nicht etwa kompútur, sondern tölva, ein sogenanntes Schachtel- oder Kofferwort: ein Wort, in dem zwei Begriffe miteinander verschmelzen. Das kennen wir aus dem deutschen (bzw. ursprünglich nicht ganz so deutschen) Wort Brunch, in dem die englischen Wörter breakfast und lunch eine Liaison eingegangen sind. Das Wort tölva hatte der bekannte isländische Sprach- und Literaturforscher Sigurður Nordal bereits im Jahr 1965 geprägt. Es setzt sich aus tala (Zahl) und völva (Wahrsagerin) zusammen. Tölva wird auch in neuen Zusammensetzungen verwendet, z. B. fartölva (die mobile Rechenhexe, vielleicht auf dem Besen, auch Laptop genannt).

Vorsicht vor dem kriechenden Drachen

Es wird mythisch: Ein Panzer wird zum Feuer spuckenden Drachen, der langsam – und irgendwie poetisch – über den Boden kriecht. Skriðdreki beschreibt das gepanzerte Ungetüm treffend und kreativ.

Der, der die Bilder rausschickt

Das tut im Isländischen nicht der Fernseher, sondern der sjónvarp. Wenn die isländische Nationalmannschaft spielt, empfangen also rund 99,8 % der Isländer die Fußballbilder ihres Bilderrausschickers. Wenn dann auch noch Sigþórsson das Siegtor schießt, schalten vielleicht auch nicht die letzten 650 Isländer um.

Der künstliche Mond ist aufgegangen ...

... singen die Isländer, wenn sie einen Satelliten am Himmel beobachten können: gervitungl. Falls sie nicht genau wissen, wo sich dieser befindet, nehmen sie einfach einen Richtungszeiger zur Hilfe (áttaviti). Und wer noch näher ran will, schickt die Fernfliege (fjarfluga) oder auch das Maschinenvögelchen (vélfygli), gen Himmel. Bei uns nennt man das Ding übrigens Drohne.

Spaß an Sprache

Dass die Isländer so gerne eigene Wörter erfinden, liegt nicht nur am Widerstand gegen fremde Wörter. Der kreative Umgang mit Sprache macht den Inselbewohnern Spaß und ist tief verwurzelt in der isländischen Mentalität: Bereits im 12. Jahrhundert schrieben Gelehrte lieber auf Isländisch als auf Latein, was sonst überall in Europa vorherrschte. Im Moment geht es eher um moderne Begriffe, z. B. Facebook. Da hört man schon das ein oder andere Mal Begriffe wie "Fressenverzeichnis" oder "Fratzenbuch". Wer schon Europameister im Wörtererfinden ist, wird auch ganz schnell Fußballeuropameister. Gangi þér vel, Ísland!

 

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