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02.01.2015

Irrtum um die weiße Vielfalt: Die Inuit haben nicht mehr Wörter für Schnee als die Deutschen.

Leise rieselt der Schnee... Rieselt er dicht? Stürmt es dabei? Handelt es sich um Neuschnee, Schneeregen oder Schneematsch? Ist der gefallene Schnee rutschig, matschig oder verkrustet? Türmt starker Wind die Schneemassen zu Schneewehen auf?

Schnee

Während Teile Deutschlands im Schnee versinken, ist es an der Zeit, mit einem verbreiteten Irrtum aufzuräumen: Die Inuit haben nicht mehrere Hundert Wörter für "Schnee" in all seinen Formen.

Woher kam der Sprachmythos?

Woher der Mythos genau komme, sei heute nicht mehr genau festzustellen, so der Sprachwissenschaftler Prof. Anatol Stefanowitsch der FU Berlin. Vermutlich sei ein Beispiel, das Linguist Benjamin Lee Whorf einst genannt hatte, im Laufe der Jahre ausgeschmückt worden: Die Inuit haben drei Wortstämme für Schnee (qaniɣ, aniɣu und apun), während das Englische nur einen kennt (snow). Die Sprachen der Inuit sind polysynthetisch. Das bedeutet, dass die Inuit nicht zwischen Sätzen und Wörtern unterscheiden. Während wir im Deutschen auf Umschreibungen wie "Schnee, der in dicken Flocken fällt" zurückgreifen, benutzen die Inuit ein einziges, komplexes Wort. Die Anzahl der Wortstämme wird dadurch aber nicht erhöht.

Schneereich im Norden

Die oben genannten Varianten gibt es aber tatsächlich als eigenständige Wörter. Sie sind Teil einer schneereichen Sprache, deren Sprecher dem gefrorenen Nass ebenfalls sehr nahe sind: Isländisch. Es gibt die folgenden 15 nicht zusammengesetzten Wörter:

Gruppe 1: Bezeichnungen für fallenden Schnee

drífa = starker Schneefall; Schneeverwehung
él = plötzlicher Schnee- oder Hagelfall
kafald = starker Schneefall
kóf = starker Schneefall; Schneeverwehung
slydda = Schneeregen; Graupel

Gruppe 2: Bezeichnungen für liegenden Schnee

hálka = rutschiger Schnee; rutschiges Eis
hjarn = Schneekruste
krap = Schneematsch
mjöll = gefallener Neuschnee

Gruppe 3: Bezeichnungen für "Schnee" sowie Stürme und Verwehungen

bylur = Schneesturm
drífa = starker Schneefall; Schneeverwehung
fjúk = Wind, der gefallenen Schnee aufwirbelt
fönn = Schneeverwehung; Schneewehe
hríð = Schneesturm
kóf = starker Schneefall; Schneeverwehung
snjór = Schnee
snær = Schnee

Zusätzlich existieren eine Reihe zusammengesetzter Wörter. Mehr dazu können Sie hier nachlesen.

Im Deutschen gibt es übrigens auch andere Worte für "Schnee": Sulz ("breiiger Altschnee"), Harsch ("hart gefrorener, eisverkrusteter Schnee") und Firn ("nicht wegschmelzender Schnee des Hochgebirges, der durch wiederholtes Auftauen und Wiedergefrieren körnig geworden ist"). Vielleicht erinnern Sie sich ja noch an Hermann Hesses Gedicht Nebel:

"...Und wenn der Tag mit seinem Glühn
Ihn auch verjagt von Ort zu Ort,
So trag ich über Firn und Flühn
Ihn doch im Herzen lange fort."


Die Kocarek GmbH wünscht Ihnen ein frohes neues Jahr!

 

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