Übersetzungsunternehmen Kocarek GmbH
Facebook LinkedIn GooglePlus Besuchen Sie uns auf Twitter YouTube

+49 201 24 69 90-0 | info@kocarek-gmbh.com

Übersetzungsunternehmen Kocarek GmbH
Home » News
20.01.2015

Krise in der Ukraine: Auch ein Konflikt der Sprachen?

Derzeit erschüttern schwere Gefechte den Osten der Ukraine. Der Kampf um den inzwischen in Trümmern liegenden Flughafen von Donezk symbolisiert die Schlagkraft, die der Konflikt entwickelt hat. Die Krise ist ein Krieg geworden. Seinen Parteien scheint momentan der Wille zum Frieden zu fehlen. Auch die Sprachensituation in der Ukraine führt immer wieder zu Konflikten.

Die Lage der Ukraine: Zwischen Osten und Westen

Die Ukraine grenzt im Westen an Polen, Slowenien, Ungarn und Rumänien und im Osten an Russland. Somit steht das Land zwischen den Fronten: Auf der einen Seite ist der Kontakt zum Westen, zur EU und zu NATO-Mitgliedern gegeben, auf der anderen der Kontakt zu Russland. In der Ostukraine haben 25-75 % Russisch als Muttersprache und außerdem starke historische und kulturelle Verbindungen zu Russland. Die Westukrainer zieht es mehr in Richtung EU und besonders Polen: Die polnische Sprache hatte und hat großen Einfluss auf die ukrainische. In der Westukraine geben weniger als 5 % Russisch als Muttersprache an.

Die Ukraine steht somit in einer Übergangszone zwischen Ländern, deren Regierungen teilweise unvereinbare Auffassungen haben. Dies spiegelt sich auch in den Wahlen wider: 2010 wählte die Mehrheit der Ostukrainer den prorussischen Kandidaten Wiktor Janukowytsch, während die Mehrheit der Westukrainer für die proeuropäische Kandidatin Julija Tymoschenko stimmte.

Der Osten trifft den Westen: Auch bei den Sprachen

Seit der Unabhängigkeit der Ukraine im Jahr 1991 steht Ukrainisch dort als alleinige Amtssprache. 2012 ließ der damalige Präsident Wiktor Janukowytsch Russisch auf regionalem Niveau wieder zu: Von den 27 Regionen der Ukraine erhielten 13 Russisch als offizielle Sprache zurück. Das Parlament plädierte nach dem Euromaidan für die Abschaffung dieses Gesetztes. Übergangspräsident Turtschynow unterschrieb das Gesetz letztendlich zwar nicht, dennoch sorgte der Vorschlag für vehemente Diskussionen.

Laut dem Osteuropa-Forscher Gerd Hentschel sei der Versuch, Janukowytschs Gesetz wieder abzuschaffen, "eine große Dummheit" gewesen. Er bezieht sich in seinem Interview mit der FAZ auf eine Umfrage des internationalen Instituts für Soziologie in Kiew von April 2014. Die Umfrage deute darauf hin, dass die Bevölkerung der Ukraine durchaus dazu bereit sei, Russisch in der Ostukraine als gleichgestellte Amtssprache zu akzeptieren. Hentschel erwähnt keine weiteren Details dazu, aus welchen Teilen des Landes die Befragten stammten. Er erklärt weiterhin:

"Es gibt in der Ukraine auch keine grundsätzlichen Vorbehalte der einen oder anderen Sprache gegenüber. Belastbare Daten aus einem mehrjährigen Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft zeigen, dass die überwältigende Mehrheit in allen Teilen der Ukraine der Meinung ist, ein Bürger ihres Landes sollte sowohl Russisch als auch Ukrainisch sprechen."

Identität und Sprache

Hentschel betont, dass sich auch in der Ostukraine viele Menschen als Ukrainer sehen, die Russisch sprechen. Die Muttersprache scheint also nicht alleiniger Ausschlaggeber für das eigene Nationalgefühl zu sein. Demnach kann nicht jeder Russisch sprechende Bewohner der Ostukraine als prorussischer Separatist bezeichnet werden.

Interessant ist auch, dass die Bewohner der Zentralukraine im Alltag oft eine Mischform aus Russisch und Ukrainisch sprechen: den sogenannten Surschyk. Der Surschyk kombiniert meist ukrainische Grammatik und Aussprache mit einem russischen Wortschatz. Die Mischung hat historische Gründe: Als Westukrainer nach dem Zweiten Weltkrieg in die Industriestädte der östlichen Ukraine auswanderten, versuchten sie, Russisch zu sprechen – nicht nur, um selbst dort leben zu können, sondern auch, um den eigenen Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Die Kocarek GmbH hofft auf baldige Entschärfung des Ukraine-Konflikts, auch wenn die derzeitige Situation nach allem anderen als Frieden aussieht.

 

Kocarek GmbH | Kronprinzenstraße 5-7 | 45128 Essen | Tel.: +49 201 24 69 90-0 | Fax: +49 201 24 69 90-10 | info@kocarek-gmbh.com