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04.11.2015

Leichte Sprache, Einfache Sprache, schwere Sprache

Das Ziel von Behördenbriefen ist, Inhalte zu vermitteln. Doch was, wenn die Empfänger die Inhalte nicht verstehen? Meist bekommen Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen schlecht lesen können, Hilfe beim Lesen. Doch es gibt noch eine weitere Möglichkeit: Leichte und Einfache Sprache – eine umstrittene Sache.

Deutsche Sprache

Für Menschen mit Lernschwierigkeiten

Uwe Roth beschreibt in seinem Artikel "Lesen und Schreiben: Warum die Einfache Sprache die ehrlichste Sprache ist" die Wichtigkeit der Einfachen Sprache für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Roth verfasste sein Plädoyer dann auch gleich in dieser Sprache: "Vielen Menschen fällt das Lesen schwer. Sie haben Probleme mit schwierigen Begriffen. Die Sätze sind lang." Auffällig sind besonders die kurzen Sätze. Ein Text, der in Einfacher (Niveau der Lesefertigkeit: dritte/vierte Klasse) oder Leichter Sprache (Niveau der Lesefertigkeit: erste/zweite Klasse) wird, enthält keine Fremdwörter (oder erklärt diese zunächst mit einfachen Worten) und keinen Genitiv. Jeder Satz enthält nur eine Aussage und lange Wörter werden mit Bindestrichen untergliedert ("Schlecht-Leser", "Tu-Wörter").

Über 50 Regeln

Diese vier Regeln gehören zu einem Regelkatalog von über 50 Regeln – die Leichte Sprache ist irgendwo doch eine schwere Sprache: Wie bei einer neuen Fremdsprache muss man die Regeln der Leichten Sprache lernen, um Texte verfassen oder übersetzen zu können. Nach einigen dieser Regeln streben auch Textverfasser der gewöhnlichen Sprache: Verben Substantiven vorziehen, Passiv vermeiden, kurze und prägnante Sätze verwenden. Dann gibt es jedoch Regeln, die der Ästhetik der deutschen Sprache zusetzen: keine Synonyme und bildliche Sprache verwenden, Genitiv und Konjunktiv vermeiden. Der Ratgeber ruft dazu auf, statt des Genitivs die sonst so verschmähten Von-Konstruktionen zu verwenden.

Nicht Schönheit, sondern Verständlichkeit

Bevor Deutschlehrer und -lehrerinnen jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: Ziel der Leichten Sprache ist nicht, eine "schöne Sprache" zu erschaffen. Anne Wrede und Andreas Hoops arbeiten im Büro für Leichte Sprache. Sie erklären, dass es mit Übersetzungen in die Leichte Sprache vor allem darum gehe, Inhalte verständlich zu vermitteln, damit "geistig Behinderte, Gehörlose, Menschen mit Leseschwächen oder Deutschlernende" Texte ohne Hilfe lesen können.

Kontroversiell

Das Thema bleibt kontroversiell: Einige Behindertenpädagogen weisen die Leichte Sprache als verdummend und ausgrenzend zurück. Auch Roths Aussage über die schwindende Lesekompetenz der Deutschen und seine Vorschläge stoßen auf Kritik im Kommentarfeld. Roth schreibt, dass "Politik und Verwaltung [...] es annehmen [müssten], dass die Lese-Kompetenz vieler Bürger nach und nach schwindet. [...] Niemand wird das ändern können. In Deutschland konnte vor 150 Jahren kaum jemand lesen und schreiben. Vielleicht ist das eines Tages wieder so."

Doch was für geistig behinderte Menschen ein Vorteil ist, eignet sich nicht unbedingt für die breite Masse, so eine Leserstimme unter dem Artikel: Leichte und Einfache Sprache seien geeignet, um Menschen mit Lernschwierigkeiten Zugang zu Texten zu verschaffen. Man dürfe die Leichte Sprache aber nicht als generellen Ersatz für unsere gewöhnliche Sprache auffassen.

Menschen mit Lernschwierigkeiten sind auch die Zielgruppe des Projekts der Bremer Lebenshilfe. Ihre Mitarbeiter haben gerade die Schöpfungsgeschichte und die Geschichte über die Sintflut in Leichter Sprache herausgegeben.

 

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