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24.08.2016

Mach mal 'nen Punkt – oder lass ihn weg

Wer Punkte in SMS-Nachrichten verwendet, läuft Gefahr, wütend oder irgendwie unehrlich zu klingen. Unsere älteste Form der Zeichensetzung ist im digitalen Zeitalter der schnellen, kurzen Mitteilungen aus der Mode geraten. Und wer hat's erfunden? Die Millennials, mal wieder: Generation Y favorisiert zeichensetzungsfreie Stakkatosätze.

Punkte, Satzzeichen

Das offensichtliche Ende?

Lockere Plattformen wie Facebook, Twitter und WhatsApp heizen diese punktlose Vorliebe zusätzlich an. David Crystal, Professor für Linguistik an der schönen Universität Bangor in Wales, liefert die logische Erklärung des Trends: "In einer kurzen Nachricht ist ziemlich offensichtlich, dass ein Satz zu Ende ist – auch ohne Punkt. Warum sollte man also einen setzen?"

Ein neues Emoticon

Doch so schnell stirbt ein Punkt nicht. Er verändert einfach sein Zuständigkeitsgebiet und übernimmt des Überlebens willen neue Aufgaben: Er zeigt nicht mehr das Ende des Satzes an, sondern dient als Mittel der Ironie, des Sarkasmus, ja sogar der Unehrlichkeit und Aggression – gewissermaßen ein neues Emoticon.

Zwei Beispiele:

Wenn die Liebe Ihres Lebens einfach das sechsgängige, von Ihnen selbst gekochte Candlelight-Dinner absagt, zeigt ein Punkt am Satzende schnell Ihren Verdruss darüber. Okay. Ein einfaches "Okay" ohne Punkt oder gar "Okay!" könnte als Duldung oder gar fröhliche Akzeptanz gedeutet werden.

Geoffrey Nunberg, Linguist an der Universität Berkley in Kalifornien, vergleicht das ausdrückliche Setzen eines Punktes in Kurznachrichten mit dem Mündlichen: "Ich komme heute Abend nicht. Punkt." klingt leicht aggressiv. Man vermittelt explizit das Ende der Diskussion. So ähnlich kommen auch Textnachrichten rüber, die einen Punkt am Satzende haben, obwohl dieser eigentlich überflüssig ist. Auslassungspunkte hingegen laden den Empfänger zur Fortsetzung des Gesprächs ein: "Ich komme heute Abend nicht..." fordert den Empfänger implizit dazu auf, nach den Gründen zu fragen.

Der Punkt scheint sich jedoch nur in der digitalen Welt anders zu verhalten. Handgeschriebene Notizen mit Punkt am Satzende haben keine emotionale Bedeutung, wie das Forscherteam um Danielle N. Gunraj dieses Jahr herausfand.

Und warum Unehrlichkeit?

Lauren Collister erklärt in diesem interessanten Beitrag, warum ein Punkt am Satzende als unehrlich aufgefasst werden könnte: Der Punkt wirke einfach zu formell, wenn er in einer Kurznachricht auftauche – wie wenn sich jemand in einem ungezwungenen Rahmen, etwa einer Bar, einer sehr formellen, mündlichen Ausdrucksweise bediene.

Ansichtssache

Vielleicht wurde der Punkt aber auch erst so wütend, nachdem er aus seinem bisherigen Zuständigkeitsgebiet verdrängt worden war – und zwar vom Ende der Mitteilung, vom garstigen Zeilenumbruch oder von den penetranten Auslassungspunkten... Der Punkt schwirrt nun also gefühlsduselig durch unsere Textnachrichten und zeigt nicht mehr nur rationale Satzenden an.

 

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