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02.08.2016

Mehrsprachigkeit möglicherweise Segen für autistische Kinder

"Eat rice", sagt der Opa zu seinem Enkelkind Oscar. "Iss Reis." Der Haken: Es gibt Brokkoli und Fleisch. Auf dem Tisch ist weit und breit kein Reis zu sehen. In der Muttersprache des Opas, Mandarin, kann der Ausdruck sich auf sämtliche Mahlzeiten beziehen. Oscar weiß das nicht, denn seine chinesische Familie spricht nur Englisch mit ihm.

Asiatischer Junge

Ein Bärendienst?

Der Grund dafür: Oscar ist Autist. Er wurde in Kalifornien geboren, nachdem seine Familie einige Jahre zuvor aus China ausgewandert war. Damals sprachen alle Familienmitglieder wenig Englisch zu Hause. Als Oscar zwei Jahre alt war, sollte sich das plötzlich ändern – bei Oscar wurde Autismus diagnostiziert. Kinderärzte, Sprachtherapeuten, Freunde und Nachbarn rieten der Familie gleichermaßen dazu, eine Sprache auszuwählen und diese in der Kommunikation mit Oscar zu verwenden.

Alle waren sich einig, dass diese Sprache Englisch sein sollte: Sie sei das Erfolgsticket für die Schule, eine Voraussetzung dafür, dass Oscar an staatlich geförderten Sprachtherapieprogrammen teilnehmen könne, die Sprache des Umfeldes, der Nachbarkinder. Es klingt vernünftig und plausibel.

Plötzlich Probleme

Doch mit der Zeit gab es Schwierigkeiten. Betty Yu, außerordentliche Professorin für Sonderpädagogik und kommunikative Erkrankungen der San Francisco State University, berichtete im "Journal of Autism and Developmental Disorders" ausführlich über Oscars Erfahrungen. Es habe immer häufiger Dinge gegeben, die die Familie auf Englisch nicht richtig wiedergeben konnte, so Yu. Daher mussten sie um das Thema herum reden oder es einfach fallen lassen. Yu spricht fließend Mandarin und Englisch.

Langzeitwirkungen

Johanne Paradis, Professorin für Sprachwissenschaft der Universität in Alberta, Kanada, ist nicht einer Meinung mit Oscars damaligen Ärzten und Therapeuten. Sie meint, Oscar hätte zu Hause Mandarin lernen sollen. Englisch hätte er dann in anderen Umgebungen gelernt – genau so, wie es typische, zweisprachige Kinder tun. Paradis begründet ihre Meinung vor allem damit, dass die starken kulturellen Familienbande, die durch die Verwendung der Muttersprache zustande kommen, den Eltern später dabei helfen würden, eine bessere Verbindung zu ihren Kindern aufzubauen. Besonders, wenn das Kind älter geworden ist, können die Eltern mit ihm vermutlich keine komplexen Ideen miteinander austauschen.

Aber auch bei der Kommunikation mit kleinen Kindern komme es häufig zu Kommunikationspannen, da wichtige Hinweise, beiläufige Kommentare oder Worte der Zuneigung bei der Übersetzung verloren gehen. Die Verwendung einer fremden Sprache verstärkt das Gefühl der Entfremdung, das Kinder von ihrer Familie fühlen – und autistische Kinder sind ohnehin schon sozial gesehen isolierter von anderen Menschen.

Forschung: Auch Autisten profitieren von Mehrsprachigkeit.

Dabei deutet die aktuelle Forschung in die Richtung, dass Mehrsprachigkeit ein Segen für autistische Kinder sein könnte. Die Forschung auf diesem Gebiet steckt allerdings noch in den Kinderschuhen; Forscherinnen und Forscher sind jedoch optimistisch: Es gebe eine große Überschneidung zwischen den Gebieten, die sich durch ein zweisprachiges Umfeld verbessern ließen, und den Gebieten, in denen autistische Kinder Schwierigkeiten haben.

Es wäre auch ein Segen für Oscar, wenn er Mandarin gelernt hätte. Schließlich könnte er seine Familie dann beim lebhaften Mittagessen verstehen.

 

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