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05.11.2015

Musik als Weltsprache: ein ehemaliger Kampfbegriff

Musik verbindet Menschen verschiedenster Kulturen miteinander. Sie wird häufig als verständigendes Element betrachtet: Wenn es Sprachbarrieren gibt, finden Menschen vielleicht über die Musik den richtigen Ton. Mit Verbindung und Verständigung schwingt auch immer die Botschaft des Friedens mit. Doch das Konzept dieser friedlichen Weltsprache hatte ursprünglich einen ganz und gar nicht friedlichen Beigeschmack.

Musik als Weltsprache

Völkerverständigung durch Musik

In unserem Musikspezial berichteten wir bereits über das Musikprojekt "DART", dessen Leiter meinte: Musik sei die einzige Sprache, die man nicht übersetzen brauche. Die Aussage schrieb bereits Berthold Auerbach im Jahre 1865 nieder, und zwar in seinen Roman "Auf der Höhe": "Musik allein ist die Weltsprache und braucht nicht übersetzt zu werden." Mit diesem Satz schwingt eine Art der friedlichen Völkerverständigung mit. Multikulturell zusammengesetzte Orchester verstünden sich bestens, da ja alle die gleiche Sprache sprechen, die Sprache der Musik. So stellen es die Medien gerne dar, und sicher ist dies nicht wahrheitsfern. Es scheint, als sei die Botschaft der friedlichen Völkerverständigung direkt der Musik entsprungen, als habe sie ein leidenschaftlicher Komponist einfach mitkomponiert.

Wer suchet, der findet nicht: weder in klassischen Musikstücken noch in wortgewaltiger Dichtkunst. Woher kommt also der Gedanke, Musik sei eine Sprache, die alle verstehen? Kleiner Tipp: Er liegt in der Vergangenheit, ist aber recht jung.

Die wahre Schönheit – und die ganze Wahrheit?

Wir reisen zurück in das Jahr 1768, als Jean-Jacques Rousseau das "Wörterbuch der Musik" verfasst. Er schreibt: " [...] während die wahren Schönheiten der Musik, die aus der Natur stammen, allen gebildeten und ungebildeten Menschen gleichermaßen erfahrbar sind und sein müssen." Der etwas schwammige Ausdruck der "wahren Schönheiten" umfasst bei Rousseau ausschließlich die Melodie, so Hans Georg Nicklaus, Autor von "Weltsprache Musik".

Geburt aus Disput

Rousseau bezieht mit seiner Auffassung von Melodie als einzig wahre Musikschönheit Stellung im heftigen kulturellen Disput des 18. Jahrhunderts: Ist die Harmonie oder die Melodie das Ursprüngliche, das, was eine gelungene Komposition ausmacht? Indem Rousseau die Melodie als "Sprache der Musik" definiert, erhält diese eine einseitige Darstellung, die die Gegner erzürnte. Die heutige Auffassung von Musik als Weltsprache wurde damals aus einem heftigen Streit geboren – beim Versuch, das wahre Wesen der Musik zu definieren.

Von konstruiertem Gegensatz zur universelle Weltsprache

So weit, so gut. Doch Moment ­– gibt es überhaupt eine Melodie ganz ohne Harmonie? Quasi eine Aneinanderreihung verirrter Einzeltöne, die sich gegenseitig nichts zu sagen haben? Die Antwort ist klar: Rousseaus Kampfansage war konstruiert. Ohne Harmonie geht und ging es nie.

Rousseaus ursprünglich polemisches Instrument stieß in den folgenden Jahrhunderten jedoch eine Entwicklung an: Sie gab Musik schließlich den universellen Charakter, den sie heute hat. Hier geht es zu einer Leseprobe von "Weltsprache Musik".

 

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