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01.06.2017

Pfingsten – das Fest der Spachen und der Verständigung

Jedes Jahr am Pfingstwochenende finden die unterschiedlichsten Veranstaltungen statt. Von Open Air Konzerten bis Almauftrieb. Doch wo liegen die historischen Wurzeln für diese symbolischen Rituale von kultureller Vielfalt und Reichtum der Natur?

Pfingsten, Almauftrieb mit Pfingstochsen

"Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab."

So steht es in der Apostelgeschichte, Kapitel 2. Die Rede ist vom Pfingstwunder: Am 50. Tag nach der Auferstehung Christi, so glaubt die Kirche, wurden die Jünger und Jüngerinnen (nach den neuesten Übersetzungen ausdrücklich auch Frauen) vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, das Evangelium in allen möglichen Sprachen zu predigen.

Die Bedeutung des Pfingstwunders

Was hinter diesem Pfingstwunder steckt, ist nicht ganz klar. Das Zweite Vatikanische Konzil sieht hier den Sendungsauftrag der Apostel/-innen gegeben, das Christentum soll die Völker des Erdenrunds vereinen, unabhängig von Sprache und Nation. Da Jerusalem historisch gesehen zum Zeitpunkt des Pfingstwunders eine internationale Stadt war und dort tatsächlich neben Aramäisch und Hebräisch auch Griechisch, Latein und andere Sprachen gesprochen wurden, kann die Geschichte tatsächlich historische Wurzeln haben. Denn es wird nach wie vor angenommen, dass die Jünger und Jüngerinnen Jesu nicht einer einzigen Ethnie (und Sprache) und auch nicht einer einzigen sozialen Schicht angehörten. Man kann davon ausgehen, dass diese Menschen durchaus mehrere Sprachen auf mehr oder weniger hohem Niveau beherrschten. Das mag teilweise der Herkunft geschuldet sein – multilinguale Familien sind keine Erfindung der gegenwärtigen Globalisierung, sondern die gab es schon immer. Solange Menschen diesen Planeten besiedelten, wanderten sie, vermischten sich mit Menschen anderer Habitate. In diesem Sinne ist das Römische Imperium, das zur Zeit Jesu als ein früher (und nur teilweise militärisch geprägter) Vorläufer der Europäischen Union gesehen werden kann, auch eine Form der Globalisierung. Handel, Bildung, Sprachen, alles florierte.

Die jüdische Wurzeln des Pfingsfestes

Traditionell wird im Judentum am 50. Tag, also genau sieben Wochen, nach Passach Schawuot gefeiert. Das ist eines der Hauptfeste des Judentums und feiert die Offenbarung der Tora an das Volk Israel. Diese Zusammenkunft zweier wichtiger religiöser Feste verwundert nicht weiter, wenn man bedenkt, dass Jesus und seine Apostel und Apostelinnen aus dem Judentum kamen und sich die ersten christlichen Gemeinden noch dem Judentum verhaftet sahen und aus der jüdischen Tradition heraus definierten. Inwieweit das Pfingstwunder sprichwörtlich am Tag von Schawuot stattfand, ist natürlich historisch gar nicht nachweisbar. Es ist, wenn man zwischen den Zeilen liest und den eigentlichen Sinn dieses vielleicht literarisch konstruierten Wunders betrachtet, auch gar nicht wichtig.

Heutige Pfingstbräuche

In Deutschland ist von den jüdischen Wurzeln des Festes nicht viel zu spüren. Pfingsten steht in den verschiedenen, ländlich geprägten Regionen ganz unter dem Zeichen einer im Frühjahr aufblühenden Agrargesellschaft. Im Mittelpunkt des Handelns steht die Ablösung des Winters durch eine neue Wachstumsperiode. Da in Zentraleuropa die ehemaligen "heidnischen" Feste sofern möglich durch christliche Feiern ersetzt wurden, verwundert auch das nicht. Die weltlichen Bräuche der hier ansässigen Gesellschaften wurden in ein christliches Gewand verpackt und zeitlich gar nicht oder nur wenig verschoben, so dass die bestehenden Gesellschaften an ihren Feierlichkeiten mehr oder weniger festhalten konnten.

Ein Beispiel für solche Bräuche sind die Reiterfestspiele, die vielerorts zu Pfingsten stattfinden. Diese sind eigentlich römischen Ursprungs: Traditionell wurden am 1. März, zum Beginn des neuen Kalenderjahres, Heerschauen abgehalten, in deren Rahmen auch die berittenen Truppen ihr Können vorführten. Da es in den Landstrichen nördlich der Alpen erst später richtig warm und frühlingshaft wurde, fanden die Festspiele erst zwei Monate später, zum ersten Mai nämlich, statt. Im 14. Jahrhundert wurden die Heerschauen durch einen päpstlichen Erlass verboten, was zu einer Umdeutung in reine Umritte oder Reiterfestspiele führte.

Und der Pfingstbaum?

Die Pfingstbäume sind eigentlich Maibäumen gleichzusetzen. Das Aufpflanzen und Schmücken der hohen Stämme soll neues Wachstum und Furchtbarkeit beschwören. So ist auch der Tanz um den Baum zu verstehen – der Mensch als Teil der Natur wünscht sich ebenfalls Fruchtbarkeit im wörtlichen Sinn. Kinder verkaufen an den Straßenrändern Pfingststräuße, die Glück und Segen bringen sollen, und festlich geschmückte Pfingstochsen werden im Rahmen des Almauftriebs oder Weidentriebs geschlachtet und gegessen. Die einzelnen europäischen Länder und sogar einzelne Landstriche und Regionen haben eigene Bräuche, die sich aber nur wenig voneinander unterscheiden, wenn man genauer hinsieht. Nimmt man das alles zusammen, ist Pfingsten eigentlich ein multikulturelles Fest, das alljährlich die Vielfalt und den Reichtum von Natur und menschlichen Kultur zelebriert.

 

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