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08.09.2016

Rechtschreibprobleme: eine Sammlung von Meinungen

Schifffahrt erhält seit inzwischen 20 Jahren genauso viele fs wie Pfeiffer. Der Unterschied: Sie stehen alle hintereinander und befinden sich nicht vor dem ei und hinter dem ei. Worüber sich Herr Pfeiffer einst in "Die Feuerzangenbowle" lustig machte, ist längst Alltag geworden. Doch weder brennende Brennnesseln noch unruhige Schifffahrten bereiten den Schülern und Schülerinnen heutzutage die größten Probleme.

Neue deutsche Rechtschreibung Duden

Grunds Grund

Laut dem Bildungsforscher Uwe Grund ist die "neue" Rechtschreibung schuld (oder "Schuld"?) an den scheinbar mangelhaften Rechtschreibkenntnissen vieler Schülerinnen und Schüler. 75 Prozent der Fehler, die sie machen, entfallen auf die wichtigsten Veränderungen der Reform: die leidige s-Schreibung ("dass" oder "das"? – das größte Problem), Zusammen- oder Getrenntschreibung ("wie viel" – was übrigens zur "Liste der rechtschreiblich schwierigen Wörter" gehört – aber "irgendetwas") und die Klein- und Großschreibung ("heute früh" oder "heute Früh"?).

Meidingers Meinung

Man scheint sich einig darüber zu sein, dass die Rechtschreibleistungen schlechter werden. Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, begründet dies jedoch anders: Wir hätten es insbesondere bei den meisten Jungen inzwischen mit einer Generation von Jugendlichen zu tun, die kaum mehr lese. Intensives Lesen sei jedoch eine Voraussetzung für ausreichende Rechtschreibkenntnisse. Die Direktorin des Berliner Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), Petra Stanat, ist da anderer Ansicht: Als "Digital Natives" seien Jugendliche heutzutage ständig im Internet unterwegs – und dort wimmele es nur so von Texten. Deutschland liegt inzwischen über dem OECD-Mittelwert, was die Lesekompetenz angeht.

Meidinger ist außerdem der Ansicht, dass die Bildungspolitik den Rechtschreibunterricht bereits seit den 90ern in den Lehrplänen vernachlässige. Ein Problem sei zum Beispiel, dass manche Bundesländer das Schreiben benoteter Rechtschreibdiktate untersagten.

Eigene Texte verfassen

Die Professorin für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Oldenburg, Nanna Fuhrhop, widerspricht: Allgemeines Textverständnis und die Lesekompetenz seien viel wichtiger, als den Schülerinnen und Schülern durch Diktate Fehler aufzuzeigen. Letzteres sei "pädagogisch nicht sinnvoll". Schüler und Schülerinnen lernten hingegen mehr, wenn sie Texte selbst schrieben, so Fuhrhop. Das gebe den Lehrkräften die Möglichkeit, Fehler konstruktiv zu beurteilen, anstatt sie einfach nur als "richtig" oder "falsch" abzustempeln.

Das große Bild

Hans Brügelmann, Grundschul- und Schriftsprachdidaktiker, betont vor allem den Zusammenhang zwischen korrekter Orthografie und der allgemeinen Schriftsprachkompetenz. Eine richtige Rechtschreibung dürfe nicht die Oberhand über das Verfassen von Texten und die Lesefertigkeit bekommen: "Wem nutzt es, Belanglosigkeiten oder inhaltlichen Unsinn orthografisch korrekt schreiben zu können?"

Wer seine (neuen) Rechtschreibfertigkeiten einmal testen möchte, kann dies hier tun. Eines scheint jedoch bezeichnend: Wer 20 Jahre lang mit seinem Partner verheiratet ist, spricht längst nicht mehr von seiner neuen Frau oder ihrem neuen Mann. Das würde unweigerlich zu Missverständnissen führen. Manche Sachen bleiben dagegen auch nach über 20 Jahren noch neu – darunter die "neuen" Bundesländer und die "neue" Rechtschreibung.

 

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