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20.08.2015

Schreibknubbel, ade: Das Aus für die Handschrift?

Ein Knochen reagiert auf Druck oder Zug, indem er vermehrt Knochenmasse bildet. Die Knochenknubbel sind normalerweise nicht von außen sichtbar – mit Ausnahme des Mittelfingers: Schüler und Vielschreiber kennen den Schreibknubbel, der den Druck des Stiftes abfedert. Finnlands Schüler bekommen in Zukunft vermutlich keinen Schreibknubbel mehr: Finnische Schulen stellen das Lehren von Schreibschrift ein. Stattdessen lernen die Schüler das Tippen auf der Tastatur.

Füllfederhalter

Keine Zeit für’s Schönschreiben

Somit ordnen die jungen Finnen in Zukunft sorgfältige Krakeleien auf zart liniertem Papier und achtsam von Hand verfasste Liebesbriefe wohl eher dem Reich der Märchen zu. Der Grund für die Umstellung ist der Hang zur Eile: „Die Kinder haben keine Zeit dafür, im Schreiben von Schreibschrift schnell zu werden. Daher ist die Schreibschrift für sie nicht nützlich“, so Minna Harmanen von Finnlands nationaler Bildungsbehörde. Hinzu komme, dass die finnische Schreibschrift schwierig zu schreiben und schwierig zu lesen ist.

(Ein kurzer Abschweifer der Übersetzung zuliebe: Wir haben die eben verlinkte, finnische Seite spaßeshalber von Google übersetzen lassen. Vielleicht hat sich der Googleübersetzer ja gebessert? Die Frage mussten wir verneinen: „Lauf aus den Schulen, zu ersetzen Schriftzug“, heißt es in der Überschrift. Und weiter unten im Text liest man davon, dass es bereits „Hunderte von Tabletten für pädagogische Zwecke“ in manchen Schulen gebe. Doch kein Grund zur Sorge für tablettenlose Schulen: „Wir bringen die ersten Tabletten im nächsten Jahr.“ Nicht, dass da noch wer missversteht.)

Globaler Trend: An die Tastaturen, fertig, los!

Finnlands Entscheidung, das Lehren von Schreibschrift ab 2016 komplett abzuschaffen, folgt einem globalen Trend: weg von handgeschriebenen Dokumenten und hin zu einer digitalen Kommunikation. Eine kürzlich in Großbritannien durchgeführte Umfrage zeigt auch, dass Handschrift an sich allmählich auszusterben droht. Ein Drittel der Befragten hatten in den letzten sechs Monaten vor der Studie keinen längeren Text von Hand verfasst. Auch in den USA haben viele Bundesstaaten das Lehren von Schreibschrift bereits vom Lehrplan genommen. Würden unsere Finger (vor allem ohne Schreibknubbel) einen mehrseitigen Aufsatz noch überleben? Käme eine Seite ununterbrochenen Schreibens einem kalligrafischen Totalschaden gleich?

Schreiben und tippen: verschiedene kognitive Prozesse

Dabei ist das Schreiben mit der Hand ein kognitiver Prozess, der sich vom Tippen auf der Tastatur grundlegend unterscheidet. „Mit der Hand zu schreiben ist eine komplexe Tätigkeit, bei der viele verschiedene Fähigkeiten zusammenspielen: den Stift und das Papier zu fühlen, den Stift zu bewegen und die Bewegung durch Gedanken zu steuern“, erklärt Edouard Gentaz, Professor der Entwicklungspsychologie an der Universität Genf. Kinder bräuchten mehrere Jahre, um die motorische Fähigkeit zu beherrschen: den Stift gut festhalten und ihn gleichzeitig so zu bewegen, dass er für jeden Buchstaben eine andere Markierung hinterlässt.

Mit einer Tastatur zu arbeiten, ist etwas völlig anderes: Man muss den richtigen Knopf zur richtigen Zeit drücken. Es ist leicht zu lernen, aber die Bewegung ist immer dieselbe, egal, um welchen Buchstaben es sich handelt.

Die seelenlose Tastatur?

„Mit der Hand zu schreiben beinhaltet ein Element des Tanzes, eine Melodie in der Botschaft, die dem Text Emotionen zufügt“, meint Roland Jouvent, Leiter der Erwachsenenpsychiatrie des Pitié-Salpêtrière Krankenhauses in Paris. Heute würden Emoticons dem Text Emotionen zufügen, so Jouvent weiter. Deshalb seien sie erfunden worden.

Das Wort „Schreibknubbel“ steht in seiner kindlich-liebevollen Niedlichkeit im Gegensatz zu der eleganten Kunst, die ihn erschaffen hat: Bei einem handgeschriebenen Brief liegt die Botschaft in der Schrift – in den gelockten und geschwungenen Bögen, in Größe und Neigung, in Durchgestrichenem auf der Suche nach Worten, in schnellen Kritzeleien und langen Pausen.

Bei der Kocarek GmbH gilt: Für den modernen Übersetzer ist das Beherrschen der Tastatur und das Schreiben mit dem Zehnfingersystem zwingend erforderlich. Kleine Notizen zur Erinnerung oder für die Kolleginnen und Kollegen werden aber weiterhin von Hand bgeschrieben.

 

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