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27.03.2015

Sonnenreflexionen - die ewige Frage: Ist "sie" männlich oder weiblich?

Am vergangenen Freitag blieben die Reflexionen der Sonne (teilweise) aus. Höchste Zeit also, den eigenen Sonnenreflexionen einmal nachzugehen: Ist das Konzept "Sonne" eigentlich neutral, wenn sein Geschlecht weiblich ist? Sehen Spanier die Sonne eher als einen Mann, weil sie ihr einen männlichen Artikel geben? Im Russischen ist die Sonne grammatikalisch das, was sie bei uns, semantisch gesehen, auch ist: Ein Ding. Gibt es einen Grund für die unterschiedlichen Genera des Wortes "Sonne"?

Sternstunden Oberhausen Sonne

Mythologie: Verschiedene Sonnengottheiten

Als Erklärung für die Unterschiede im Spanischen und Deutschen werden häufig die früheren Gottheiten herangezogen: Während die Sonnengöttin der Germanen, Sól, weiblich war  (und der Mondgott Mani männlich), veehrten die Römer den Sonnengott Sol (und die Mondgöttin Luna).

Englische Muttersprachler scheinen die Sonne, wie im Spanischen, eher als männlich zu kategorisieren. Ein Beispiel dafür ist folgender Auszug aus einem Brief Benjamin Franklins:

"I got up and looked out to see what might be the occasion of it, when I saw the sun just rising above the horizon, from whence he poured his rays plentifully into my chamber [...]."

Der Brief stammt aus dem Jahr 1784, als Englisch sein grammatikalisches Geschlecht bereits verloren hatte. Bis in die 1200er Jahre hinein benutzten englische Muttersprachler jedoch den maskulinen Artikel "se" und den femininen "seo". Die Sonne hatte damals einen weiblichen Artikel: "sēo sunne", wörtlich: "die Sonne". Der Grund hierfür ist, dass Altenglisch eine germanische Sprache ist. Interessant ist die Tatsache, dass die Sonne im Laufe der Zeit trotzdem immer häufiger mit einem männlichen Pronomen bezeichnet wurde.

Beeinflusst das grammatikalische Geschlecht die Bedeutung eines Wortes?

Boroditsky, Schmidt und Phillips haben die vermeintliche Willkürlichkeit der grammatikalischen Genusverteilung näher untersucht. Die Sprachforscher haben sich mit der Frage beschäftigt, ob grammatikalisches Genus die Bedeutung des jeweiligen Wortes beeinflusst. Eine Möglichkeit sei, dass Menschen beim Lernen des Genus eine bestimmte Eigenschaft des Referenten, auf den das Substantiv verweist, besonders hervorheben. Bei dem Wort "Sonne" könnten das stereotypische männliche Eigenschaften wie "mächtig" und "drohend" sein, wenn das grammatikalische Geschlecht des Substantivs männlich ist. Ist das Genus des Substantivs hingegen weiblich, würde man sich möglicherweise eher auf die wärmenden und nährenden Eigenschaften der Sonne konzentrieren.

Innerhalb einer Studie wies das Forscherteam nach, dass Menschen, die eine Genussprache als Muttersprache haben, Namen für Objekte tatsächlich besser behalten können, wenn diese mit dem grammatikalischen Geschlecht übereinstimmen – auch wenn das Experiment in Englisch durchgeführt wird. Mit anderen Worten: Ein Deutscher behält den Namen "Patrizia" für "the sun" leichter als den Namen "Patrick", während es für einen Spanier umgekehrt ist.

Den interessanten Forschungsartikel können Sie hier abrufen.

Die Kocarek GmbH wünscht Ihnen nach den schrecklichen Nachrichten der vergangenen Tagen einen einigermaßen sonnigen Tag!

Das Bild der heutigen News stammt aus der Ausstellung Ausstellung "Sternstunden" im Gasometer Oberhausen in 2009.

 

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