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26.02.2015

Sprache als Einschlusskriterium für Bildung

Das war das Motto des 21. Februars, dem internationalen Tag der Muttersprache. Der seit dem Jahr 2000 existierende Tag beleuchtet die Wichtigkeit der eigenen Muttersprache für die kulturelle Identität – und dieses Jahr auch für den Zugang zu Bildung.

Der Hintergrund

Am 21. Februar 1952 demonstrierten Studenten in der Hauptstadt des damaligen östlichen Pakistans, Dharka, gegen einen Beschluss: Die Regierung wollte Urdu zur Amtssprache erheben. Doch nur etwa drei Prozent der damaligen Bevölkerung sprach Urdu, darunter die herrschenden Schichten Pakistans. Weiterhin war Urdu die Sprache der Staatsgründer Pakistans gewesen.

Im Jahr 1952 sprachen hingegen über 56 Prozent der Bewohner Pakistans Bengali (auch Bangla genannt) als Muttersprache. Im östlichen Teil Pakistans, damals Ost-Bengalen, hatten 98 Prozent der Bewohner Bengali als Muttersprache. Der Konflikt zwischen den Muttersprachen spiegelte die politische Situation von damals wider: Ost-Bengalen erklärte im Jahr 1971, nach einem neunmonatigen Bürgerkrieg, seine Unabhängigkeit. Der neue Staat Bangladesch erhielt Bengali als seine Amtssprache.

Muttersprachlicher Unterricht auch in Minderheitensprachen

Das historische Ereignis gab den Anstoß dafür, dass die Vereinten Nationen im Jahr 2000 den 21. Februar zum internationalen Tag der Muttersprache ausriefen. Den Vorschlag dazu hatte die UNESCO gemacht. Der Tag soll hervorheben, dass die Muttersprache Ausdruck der kulturellen Identität ist. Seit dem Jahr 2000 steht der 21. Februar jedes Jahr unter einem neuen Motto. Das Motto dieses Jahres lautete: "Inclusive Education through and with Language ­– Language Matters". Die UNESCO meint damit ein Bildungssystem, das den Unterricht in Minderheitensprachen einschließt, um eine Benachteiligung der Kinder und Jugendlichen auszuschließen, die solchen sprachlichen Minderheiten angehören. Das Motto ist Teil einer größeren Agenda, die Zugang zu Bildung in der jeweiligen Muttersprache ermöglichen soll. Nur so könne eine qualitativ hochwertige Bildung für alle Menschen erzielt werden, so die UNESCO.

Konkrete Ziele für Kinder, die sprachlichen Minderheiten angehören, sind diese:

  • Die Kinder erhalten Unterricht in ihrer jeweiligen Muttersprache, um besser und schneller lernen zu können.
  • Sie erhalten früh Unterricht in der offiziellen Sprache des Landes, in dem sie wohnen. Das ermöglicht es ihnen, später bessere Leistungen in der offiziellen Unterrichtssprache zu erbringen.
  • Auf diese Weise erhalten die Kinder mehr Selbstvertrauen und nehmen aktiv am Unterricht teil.

Eine Bildung, die alle einschließt, gilt nicht nur für den Faktor Sprache. Menschen sollen unabhängig von Lebensstandard, sozialer Klasse, Ethnizität, Religion, Geschlecht oder sexueller Orientierung Zugang zu Bildung haben. Die UNESCO strebt somit eine ganzheitlich einschließende Bildung an.

Lesen Sie zum Thema Minderheitensprachen auch die News der Kocarek GmbH "Language matters" sowie "Aussterbende Sprachen: Ein Weg ins Nichts?".

 

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