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08.10.2015

Sprache: Erst zu spät kommen und dann den Partylöwen machen?

Längst ist die Welt der Wissenschaftler sich einig: Die menschliche Sprache ist etwas ganz Besonderes. Ebenso speziell ist die Fähigkeit der Menschen, in sozialen Gruppen zusammenzuarbeiten. Uneinigkeit herrscht dagegen darüber, was zuerst kam: Sprache oder Kooperation? Es scheint eine paradoxe Konstellation unserer Wirklichkeit zu sein: Während die Deutschen über die Grenzen der Kooperation, des Miteinanders und des aufeinander Abstimmens streiten, streitet die Fachwelt über den Kern der Menschlichkeit.

Was unterscheidet uns von anderen Tieren?

In der Fachwelt stehen sich der Psychologe Michael Tomasello und die Harvard-Professorin Elizabeth Spelke gegenüber.

Der späte Gast, der die Führung übernimmt

Tomasello vertritt die Meinung, dass der menschliche Kooperationswille und die Arbeitsteilung auf dem Weg zu einem gemeinsamen Ziel Sprache ermöglicht hätten: "Erst durch geteilte Absichten wird Sprache möglich, denn wenn ich nur meinen eigenen Vorteil suche, warum soll ich dann ein kompliziertes Kommunikationssystem mit dem anderen erschaffen?" Der Psychologe des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie erklärt, dass der entscheidende Unterschied zwischen Affen und Menschen im Miteinander liege. Affen verarbeiteten sehr viele Informationen geistig – jedoch mit dem Ziel, eigene Absichten zu verfolgen, so Tomasello. Menschen könnten nicht nur die Absichten anderer Menschen erkennen, sondern diese sogar teilen und koordinieren.

Für diesen Prozess ist Sprache ein wichtiges Hilfsmittel, wie Tomasello anschaulich erklärt: Die Sprache komme zwar spät zur Party, übernehme dann aber die Rolle des DJs und ändere alles.

Der notwendige Gast, ohne den nichts geht

Elizabeth Spelke meint hingegen, dass der DJ vorher gar nicht existiert habe: Ohne DJ keine Party, ohne Sprache keine Zusammenarbeit. Für sie ist die Sprache die Voraussetzung dafür, dass Menschen zu ihrer speziellen Art der Zusammenarbeit fähig sind. Ein wichtiges Argument: Menschen seien nie sprachenlos – auch wenn sie als Babys sprachlos zu sein scheinen. Die sogenannten "präverbalen Babys" können Sprache bereits geistig verarbeiten: Mit zwei Wochen bevorzugen sie den Akzent ihrer eignen Familie vor anderen Dialekten. Mit drei Monaten verstehen sie das Prinzip verbaler Kategorien. Mit sechs Monaten schauen sie auf die Hand, wenn jemand "Hand" sagt. Sobald ihre Physiologie es zulässt, brabbeln sie munter drauflos und warten die Reaktion ihrer Umgebung ab.

Was können Babys nicht?

Das ist die zentrale Frage, die sich Spelke stellt. Sie sucht nach angeborenen Kompetenzen, die jedoch noch nicht vollständig funktionieren – Knöpfe, die man drücken kann, bei denen aber noch nicht das passiert, was bei älteren Menschen passiert. Acht Monate alte Babys reagieren zum Beispiel irritiert, wenn sie eine Gruppe sozialer Wesen sehen, bei denen sich eines anders verhält als die anderen. Verändert die im Verhalten abweichende Figur jedoch die Umwelt, reagieren die Babys nicht mehr irritiert darauf. Spelke meint, dass die Kinder die zielgerichtete Tätigkeit des Individuums erkennen könnten und dadurch die Informationen über die Zugehörigkeit zur Gruppe verlieren würden. Ihre Hypothese: Babys können Menschen entweder als Individuen wahrnehmen, die die Umwelt verändern, oder als soziale Mitglieder einer Gruppe, die Absichten austauschen. Dass Menschen beide Aspekte wahrnehmen können, haben sie laut Spelke der Sprache zu verdanken.

Menschen kommunizieren auf außergewöhnliche Weise miteinander. Sie können aufeinander eingehen wie kein anderes Tier. Welche der beiden Fähigkeiten zuerst kam, bleibt vorerst offen. Klar ist, dass Sprache und Kooperation den Menschen zum Außenseiter im Tierreich gemacht haben.

 

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