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29.11.2016

Sprache ist Sprache

Das gilt unabhängig davon, welche Form die Sprache annimmt. Auch wenn „Sprache“ und „sprechen“ dieselbe Herkunft haben, ist Sprache nicht auf das Sprechen beschränkt.

Gebärdensprache, Sprache, Zeichensprache

Viele Wege führen zur Sprache

Prof. Iris Berent der Northeastern University erforscht Sprache. In ihrem neusten Projekt enthüllte sie, dass Menschen die Regeln der gesprochenen Sprache auch auf Zeichensprache anwenden. Die Erklärung ist im Grunde ganz einfach: Es geht beim Sprechen nicht nur darum, Laute mit dem Mund zu produzieren und Laute zu hören. Es geht vielmehr darum, eine abstrakte Struktur zu erschaffen. Die Art und Weise, wie diese entsteht, ist zweitrangig. Das Wie, der Weg, ist nicht so wichtig – entscheidend ist das Ergebnis: Sprache.

Eindeutige Ergebnisse

Berent untersuchte mit ihrem Forscherteam Wörter und Gebärden, die dieselbe Struktur aufwiesen. Das Ergebnis: Menschen reagierten gleich auf die Struktur – egal, ob sie als gesprochene Sprache oder Gebärde präsentiert wurden. Das geschah, obwohl die Testpersonen englische oder hebräische Muttersprachler waren, die keine Gebärdensprache konnten. Beide Testgruppen bevorzugten systematisch Sprachmuster bei Gebärden und gesprochenen Wörtern, die sie aus ihren Muttersprachen kannten. „Nicht der Stimulus ist wichtig, sondern der Verstand, insbesondere das Sprachsystem“, erklärt Berent in den News der Northeastern University. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass unser Sprachwissen abstrakt und amodal ist.“ Es ist also nicht an die Beschaffenheit des Sprachimpulses gebunden. 

Ähnlichkeiten auf kleinstem Niveau

Neben Gebärdensprachen sind auch die Zeichensprachen unserer Vorfahren Gegenstand der Forschung: Welche Rolle spielten sie in der Entwicklung der Sprache? Berents Forschungen legen nahe, dass es grundlegende Ähnlichkeiten zwischen Zeichensprache und gesprochener Sprache gibt – weshalb englische Muttersprachler beispielsweise ASL problemlos lernen können. Die Ähnlichkeiten in der Struktur reichten sogar bis auf das phonologische Niveau, so Berent. Sie erklärt weiter: „Noch viel bemerkenswerter ist die Tatsache, dass unser Gehirn einige dieser Strukturen extrahieren kann, selbst wenn wir die Zeichensprache gar nicht kennen. Wir können einige der phonologischen Regeln, die für gesprochene Sprache gelten, auf Gebärden anwenden.“

Das Vermächtnis der Hörgeschädigten

Berents Forschungen dienen nicht nur dem Zweck, das System der Sprache zu entschlüsseln. Sie möchte auch den Irrglauben beseitigen, dass Zeichen- oder Gebärdensprachen keine „richtigen“ Sprachen seien, indem sie die komplexe Struktur von Gebärdensprachen aufzeigt.

Für die Gemeinschaft der Hörgeschädigten sind Berents Ergebnisse daher besonders wichtig: Zeichensprache sei ihr Vermächtnis, so die Linguistin. Zeichensprache definiere ihre Identität. Die wissenschaftliche Gleichstellung von Gebärdensprache mit gesprochener Sprache sei auch für die gesamte menschliche Identität von Bedeutung: Wir alle haben gemeinsam, dass Sprache unser Kennzeichen ist.

 

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