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06.10.2015

Sprache weniger willkürlich als angenommen

Ein Baum heißt Baum, weil er Baum heißt. Ein Grundpfeiler theoretischer Linguisten besagt: Die Form eines Wortes sagt nichts über seine Bedeutung aus. Es ist das Prinzip der Arbitrarität. Dass sich die Lautfolge B-a-u-m ausgerechnet mit dem Konzept eines hölzernen Gewächses deckt, das einen festen Stamm, Äste und Nadeln oder Laub tragende Zweige hat, beruht auf reiner Willkür. Sprachwissenschaftler meinen nun, dass wir doch nicht gänzlich der Willkür unserer Sprache ausgeliefert sind: Natürliche Sprachen enthalten Forschungsergebnissen zufolge weitere Mechanismen, die Form und Bedeutung systematisch miteinander verbinden. Diese Mechanismen seien verbreiteter als bisher angenommen.

Baum - Arbitrarität

Zwei weitere Prinzipien

 "Arbitrarität war keine schlechte Idee", so Mark Dingemanse, Sprachwissenschaftler am Max Planck Institut für Psycholinguistik. "Es ist ein wichtiges Prinzip, aber es erklärt nicht vollständig, wie Wörter funktionieren." Dingemanse ist der federführende Autor eines Beitrags in "Trends in Cognitive Sciences". Er und sein Team sammelten Forschungsergebnisse aus den Kognitionswissenschaften und schlugen vor, das Prinzip der Arbitrarität durch mindestens zwei weitere Mechanismen zu ergänzen: Laut und Form von Wörtern können Aspekte der Wortbedeutung und der grammatischen Funktion offenbaren.

Ikonizität

Einer dieser Mechanismen ist Ikonizität: Die Form des Wortes deutet bestimmte Aspekte seiner Bedeutung an. Das Prinzip sei verbreiteter als häufig angenommen: In Gebärdensprachen kommt es häufig vor, genauso in sogenannten Ideophonen. Letztere ähneln Lautmalereien und kommen in vielen natürlichen Sprachen vor. Ein Ideophon ist "Eine lebhafte Darstellung einer Idee in Lautgestalt" (Doke, 1935, S. 119). In der afrikanischen Sprache Kenga entspricht das Ideophon "kap kap" beispielsweise der Bedeutung "vollständig" und wird verwendet, wenn ein Gefäß zerschlagen wird: "Die Kalebasse zerbrach vollständig" heißt auf Kenga "kaaɗa tɔɔk kap kap". Auf das Subjekt ("kaaɗa" = "Kalebasse") folgen Verb ("tɔɔk " = "zerbrach") und das als Adverb gebrauchte Ideophon "kap kap" ("vollständig"). Im Englischen ordnen viele das Fantasiewort "pumbuluu" eher dem Adjektiv "dick" als "dünn" zu.

Systematik

Systematik ist das zweite Prinzip, das Dingemanse nennt: eine statistische Beziehung zwischen Lautmustern einer Wortgruppe und deren grammatikalische Verwendungen. Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass Sprechern von Japanisch, Englisch, Niederländisch und Französisch bereits sehr feine Lautmuster in Wörtern helfen, um Substantive von Verben zu unterscheiden. Ein Beispiel: Im Englischen sind Verben tendenziell kürzer als Substantive.

Friedliche Koexistenz

Arbitrarität, Ikonizität und Systematik koexistieren in den Sprachen unserer Welt. Das können sie, weil jedes Prinzip entscheidende Vorteile bei der Sprachverarbeitung birgt. Manchmal zeigt ein "kap kap" auf lebhaft-lautmalerische Weise, dass ein Gefäß komplett hinüber ist, manchmal erkennen wir die Wortgruppe an der Länge des Wortes und manchmal ist ein Baum einfach ein Baum.

 

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