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23.09.2016

Teil I: Die deutsche Sprache: schön schwierig

Deutsch zu lernen, ist für Einwanderer oft nicht leicht. Stimmt das uneingeschränkt, und was macht die deutsche Sprache neben ihrer vermeintlichen Schwierigkeit so schön?

Deutsch, Deutsch lernen

In Teil I dieser Reihe geht es um den Zusammenhang zwischen Deutsch, Relativität und Legoklötzen.

Pinker und "Die Schrecken der deutschen Sprache"

Steven Pinker ist ein angesehener kanadisch-US-amerikanischer Linguist, Kognitionswissenschaftler und Experimentalpsychologe. Im Jahr 1999 erforschte er in "Words and Rules: The Ingredients of Language" regelmäßige und unregelmäßige Verben. Kapitel 8 dieses Buches beschäftigt sich mit dem Grauen der deutschen Sprache – "The Horrors of the German Language": Es entsetzt den Sprachexperten, dass es im Deutschen so unglaublich viele Verbformen gibt. Wenn die deutsche Sprache sogar einen Meisterlinguisten in Angst und Schrecken versetzen kann, was ist dann mit all den Menschen, die Deutsch als Fremdsprache lernen? Nicht umsonst ist Deutsch in Frankreich, was Latein in Deutschland ist – "eine Sprache für die sehr guten Schülerinnen und Schüler".

Die Relativitätstheorie des Deutschlernens

Es sind nicht nur die Verbformen, die deutschen Sprachlernern zu schaffen machen. Die Zeiten sind so unübersichtlich, dass sie das Raum-Zeit-Kontinuum zu sprengen drohen. Es gibt zahlreiche Substantivklassen, die alle dekliniert werden wollen. Sprachlerner, die von ihrer Muttersprache keinen Kasus kennen, müssen dieses urzeitliche Phänomen erst einmal verstehen. Was nicht heißt, dass ihre eigenen Sprachen weniger komplex wären: Auch Englisch birgt zahlreiche Sprachfallen und in den skandinavischen Sprachen muss man statt Kasusformen Präpositionen pauken. Was als schwierig oder komplex empfunden wird, ist in vielen Fällen relativ zur eigenen Muttersprache: Finnen und Russen lachen sich über die vier läppischen Kasusformen des Deutschen vermutlich ins Fäustchen.

Die Lego-Sprache

Neben der schier unendlichen, grammatischen Formenfülle der Verben und Substantive ist der deutsche Wortschatz gigantisch: Er enthält Schätzungen zufolge insgesamt rund 5,3 Millionen Wörter. Diese lassen sich fast unbegrenzt miteinander kombinieren: Plötzlich gibt es Wutbürger und einen Autohimmel. Erdäpfelpüree ist wieder ein anderes Wort als Kartoffelbrei, während das Ganze im Französischen "purée de pommes de terre" heißt – dort bildet man Wörter auf andere Weise und hat daher einen geringeren Wortschatz.
Die Deutschen spielen lieber Lego mit ihrer Sprache. Meist führt das zu einfach verständlichen Begriffen wie Zahnarzt und Kinderarzt, in denen Bausteine derselben "Art und Farbe" (hier Arzt) mit anderen Bausteinen kombiniert werden. Der Legoklotz Versteher ist noch etwas neuer als der Arzt. Seit 2009 kennt der Duden den Frauenversteher, inzwischen kursiert auch der Russlandversteher in den Medien (sogar in den amerikanischen).

Manchmal entstehen aber auch hohe Legotürme, die umzustürzen drohen. Gut, dass die Politiker das Rinderkennzeichnungs- und Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz abgeschafft haben, bevor das geschah!

 

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