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28.04.2015

Thema Afrika: Warum beherbergt der Kontinent so viele Sprachen?

Der afrikanische Kontinent enthält die höchste genetische Vielfalt der Welt. In Afrika werden mehr als 2000 Sprachen gesprochen. – Das heißt, dass Afrika ein Drittel aller Sprachen der Welt beherbergt, während der Anteil an der Weltbevölkerung weniger als ein Siebtel beträgt. Verglichen dazu werden in Europa ungefähr 300 Sprachen gesprochen, während der Anteil an der Weltbevölkerung ein Achtel beträgt. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der hohen genetischen und der hohen sprachlichen Vielfalt Afrikas?

Landkarte Afrika

Linguistik und Evolution

Tatsächlich "leihen" Linguisten die Werkzeuge der Evolutionsbiologen: Linguisten untersuchen die Beziehungen zwischen unterschiedlichen Sprachen auf die gleiche Art und Weise, wie Evolutionsbiologen Familienverwandtschaften und Artenbildungen erforschen.

Die Theorie der Populationsgenetik weist darauf hin, dass die genetische Vielfalt bei jeder Ursprungspopulation am größten ist. Bei den Menschen befindet sich der Ursprung in Afrika.

Sarah Tishkoff, Genetikerin der Universität in Pennsylvania, erklärt, dass fast jede Studie, die die genetische Variation von Afrikanern mit der von Nichtafrikanern verglichen habe, eine höhere Vielfalt bei den Afrikanern gezeigt habe. Der moderne Mensch sei länger in Afrika gewesen als in jeder anderen Gegend auf der Welt, so Tishkoff weiter. Die wenigen, die Afrika verlassen haben, hätten ihre genetische Vielfalt während der Abwanderung verloren, was zu einem genetischen Flaschenhals geführt habe.

Die lange Zeitspanne, die der Mensch in Afrika verbracht hat, hat nicht nur die genetische Vielfalt ausgelöst. Die Menschen dort haben eine enorme kulturelle und sprachliche Vielfalt entwickelt. Dazu könnten auch politische Umstände beigetragen haben: In Europa begünstigte die Entstehung zahlreicher, sich annähernder Imperien die Auslöschung einzelner Sprachen. In Afrika hingegen konnten "kleine" Sprachen überleben, da die traditionellen afrikanischen Königreiche sich nicht auf die gleiche Weise aneinander angepasst haben.

Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher und sprachlicher Entwicklung

Trotzdem gebe es nicht unbedingt einen Zusammenhang zwischen der Gen- und Sprachenvielfalt in Afrika. Dieses Ergebnis geht aus Jonathan Lohs und David Harmons Index Of Linguistic Diversity hervor: " There's huge linguistic diversity in Africa, but it's not concentrated in Africa in the same way as genetic diversity," so Loh. Ein anderer, wichtiger Faktor sei die Schnelligkeit der Sprachentwicklung, die die der biologischen Evolution um ein Vielfaches übergehe.

In einer Zeit des drohenden Sprachtods (wir berichteten bereits im Oktober 2014 und Februar 2015 darüber) ist besonders interessant, dass von den afrikanischen Sprachen nur 13 % bedroht sind. Verglichen dazu sind in der pazifischen Region mehr als 60 % der einheimischen Sprachen bedroht.

Der Grund liegt, so Loh, darin, dass europäische Sprachen Afrika nicht auf dieselbe Weise eingenommen haben wie beispielsweise Amerika oder Australien. Wenn Afrika seine Wirtschaft nach dem europäischen Modell entwickeln würde, würden eine größere Urbanisierung und Bevölkerungsmobilität vermutlich auch zu einer erhöhten Konkurrenz unter den Sprachen führen. Dann würden vermutlich ein paar wenige Sprachen dominieren. Geschieht das nicht, wäre die Überlebenschance der kleinen Sprachen höher, so Loh.

Salikoko Mufwene, Evolutionslinguist an der Universität in Chicago, betont, dass die Vorlieben der Menschen ausschlaggebend seien: "If people prefer to have one language spoken by millions and millions of people, it makes life easier. But if people are more interested in having different identities and language functions as a marker of identity, then it's also very convenient to speak more languages because it's easier to tell which person is from where."

Die afrikanische Sprachenvielfalt scheint in ein Geflecht aus genetischen, historischen und  wirtschaftlichen Hintergründen verwoben zu sein, in dem sich auch ganz persönliche Gründe der Sprachnutzer finden lassen.

Unter dem Eindruck der aktuellen Flüchtlingskatastrofe auf dem Mittelmeer ist diese News Afrika gewidmet.

Bildquelle:

„Saharan topographic elements map“ von T L Miles - Own work by uploader Derived from Blank map Image:Africa_topography_map_with_borders.png. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - commons.wikimedia.org/wiki/File:Saharan_topographic_elements_map.png

 

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