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16.08.2016

Trump und sein Metaphernchaos

Als "gefährlich zusammenhanglos" beschrieb Hillary Clinton neulich die Konzepte ihres republikanischen Rivalen Trump. Sie seien lediglich "eine Reihe bizarrer Tiraden, persönlicher Kleinkriege und unverblümter Lügen". Es stimmt: Zusammenhanglosigkeit ist ein wesentliches Merkmal des rhetorischen Stils Trumps. Sie bricht mit Konventionen und scheint nicht mal zu seinem Nachteil zu sein.

Karikatur von Donald Trump

Kaum tragende Metaphern

Der fehlende Zusammenhang in Trumps Reden basiert sich vor allem auf dem mangelnden Gebrauch tragender Metaphern. Das sind bildliche Ausdrücke, die einen Gedankengang anschaulich wiedergeben. Daher zählen sie zu den wichtigsten Werkzeugen der Politiker: Sie kennzeichnen effektive, politische Reden. Sie sind der Kern, um den sich ein Argument aufbaut. Sie halten das Wesentliche eines Konzepts auf logische und anschauliche Weise zusammen.

F. D. Roosevelt: Arbeitskraft und Armee

Spulen wir den Film der amerikanischen Präsidentschaftsgeschichte um ein paar Jahre zurück, erhalten wir ein Beispiel dafür: Franklin D. Roosevelt (FDR) sagte in seiner ersten Antrittsrede im Jahr 1933, zur Zeit der Depression: "I assume unhesitatingly the leadership of this great army of our people dedicated to a disciplined attack upon our common problems." In seiner Rede verstand FDR es, die Kraft einer Armee im Krieg anschaulich mit der Kraft der amerikanischen Arbeiter zu verbinden: Indem er die Arbeitskraft mit einer Armee im Kampf verglich, brachte er alle komplexen Probleme der Zeit und seine Lösungsvorschläge dazu kurz, bündig und anschaulich auf den Punkt.

Wanted - dead and alive

Diese Art der raffinierten politischen Rhetorik verwendet Trump fast nie. Lebendige, neuartige, kreative Metaphern, wie FDR sie damals erschuf, weichen oft den sogenannten toten Metaphern: Das sind Metaphern, die so fest verankert in unserer Sprache sind, dass wir sie kaum mehr als solche wahrnehmen. Im Fachjargon spricht man von lexikalisierten Metaphern: Kaum einer denkt heutzutage über die metaphorische Herkunft des Wortes "Tischbein" nach – oder darüber, dass die Schotten ihr Land nicht wörtlich "zurücknehmen".

Schüttelt den Rost ab!

Um das Metaphernchaos perfekt zu machen, verwendet Trump auch ein paar lebendige Metaphern, wenn auch ein wenig unglücklich: Er möchte die amerikanische Außenpolitik "entrosten" ("shake the rust off"), nicht etwa "entstauben" ("shake the dust off"). Möchte Trump die USA wirklich so heftig durchschütteln? Im Mai dieses Jahres sorgte sein Ausdruck, dass China die USA vergewaltige, für Aufmerksamkeit. Die darauf folgende tote Metapher "wir halten die Karten in der Hand" steht jedoch in keinerlei Zusammenhang damit – ganz anders als FDRs "große Armee der Menschen" und "Angriff der gewöhnlichen Probleme", die hervorragend zueinanderpassen.

Sprachliche Fehlbarkeit macht authentisch.

Es ist genau diese Zusammenhanglosigkeit, dieses Chaos an Metaphern, das Trumps rhetorischen Stil auszumachen scheint. Und das kommt bei vielen gut an: Auch der gewöhnliche Nichtpräsidentschaftskandidat äußert manchmal zusammenhanglose Ideen und unpassende Metaphern. Genau deshalb komme Trump als authentisch herüber, so die Soziolinguistin Jennifer Sclafani. "Auch solche Qualitäten suchen die Wähler in einem Kandidaten." Mehr über Trumps Sprachstil lesen Sie in dieser News der Kocarek GmbH.

 

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