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09.02.2016

Unsere Sprache verändert sich: Kurzdeutsch

"Kommst du Bahnhof oder hast du Auto?" ist nicht etwa die Frage eines Deutschen mit Migrationshintergrund. Soziolinguistin Diana Marossek hörte die Frage von ihrer jüngeren (deutschen) Schwester. Sie machte den Fragesatz zum Titel ihrer kürzlich als Buch erschienenen Doktorarbeit. Worum es geht: das Deutsch der Deutschen, nicht das Deutsch der Migranten.

Kurzdeutsch

Ein neutrales Wort

Für Sprachsnobs, die das Deutsche von anderen Einflüssen abgrenzen wollen, hat Marossek nichts übrig: Anstelle von "Multikultideutsch", "Türkendeutsch" oder "Kiezdeutsch" zu sprechen, wählte sie den neutralen Begriff "Kurzdeutsch". Diese Variante wird laut der Soziolinguistin mittlerweile von deutschen Muttersprachlern sämtlicher Bildungsschichten verwendet – Marossek hörte die Frage "Gehst du Kopierer?" in einem Lehrerzimmer.

Wie sieht Kurzdeutsch aus?

An Beispielsätzen mangelt es Marossek nicht: "Der Spieler hat noch Vertrag bis 2018", so ein Sportreporter im Fernsehen. "Ich hab' Rücken" ist längst nicht erst seit Horst Schlämmer in aller Munde. Wie die beiden Sätze zeigen, fehlt im Kurzdeutsch häufig der Artikel. Auch das Auslassen von Präpositionen und Zusammenziehungen von Präpositionen und Artikeln kommt oft vor, wie der Titel von Marosseks neuem Buch zeigt. Vielleicht hat der ein oder andere auch schon mal die Frage gestellt bekommen: "Wollen wir heute Abend Kino?" Dass Menschen immer häufiger "nach Aldi" gehen, hat Bastian Sick bereits im Jahr 2006 festgestellt. Relativ neu dagegen sei das französisch anmutende "d'", so die Soziolinguistin: "Gib mir d' Bier".

Auch Code-Switching ist Teil des Kurzdeutschen: Englisch ist immer noch häufig in Gebrauch, etwa in "shoppen gehen" anstelle von "einkaufen gehen". Inzwischen werden aber nicht nur Englisch und Deutsch, sondern auch Arabisch/Türkisch und Deutsch gemischt: "Jalla, mach mal schneller" bedeutet so viel wie "Zack, mach mal schneller".

Verbreitung

Die schnelle Verbreitung verdankt das Kurzdeutsch vermutlich einerseits erfolgreichen Filmen und Serien wie "Fack ju Göthe" und "Türkisch für Anfänger", andererseits der inzwischen rasanten Alltagskommunikation.

Die Ähnlichkeit der grammatischen Strukturen zwischen Kurzdeutsch und Arabisch sind auffallend: Im Arabischen ist das grammatikalischen Geschlecht Teil der Substantive, weshalb man dort keine zusätzlichen Artikel verwendet. Doch was viele nicht wissen: Auch deutsche Dialekte bedienen sich seit jeher der artikellosen Sprache. Das Berlinerische kennt schon sehr lange "Ich bin auf Arbeit". Wer im Deutschunterricht den Naturalismus anhand der (1911 uraufgeführten) Tragikomödie "Die Ratten" von Gerhard Hauptmann durchgenommen hat, erinnert sich vielleicht noch an die Drohung des Dienstmädchens Piperkarcka: "Ich stürze mir Landwehrkanal".

Sorgen um die deutsche Sprache?

Somit scheint Kurzdeutsch aus zwei Wurzeln zu erwachsen – neue Sprachphänomene beleben alte Sprachtraditionen. Sorgen um die deutsche Sprache müsse sich aber keiner machen: Wir übernehmen den für unser Gehirn bequemen Satzbau nicht für alle Situationen. Außerdem: Alte deutsche Schimpfwörter, wie "du Knecht", sind unter Jugendlichen wieder auf dem Vormarsch. Die arabischen Schimpfwörter sind wohl schon zu abgenutzt. Das Schöne an der deutschen Sprache ist, dass sie quicklebendig ist!

 

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