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07.04.2016

"Vater unser in den Himmeln ..."

Stimmt diese erste Zeile des bekannten christlichen Gebets nicht? Laut Peter Jentzmik ist die bisherige deutsche Fassung des Vaterunsers nicht ganz richtig. Der Theologe ging zu den Quellen zurück und übersetzte das Gebet neu. Welche Stellen hat er verändert und warum?

Vater Unser

Beten, nicht plappern

Ausgangspunkt seiner Neuübersetzung war Jentzmiks Arbeit mit Studenten: Eine Besprechung der Bergpredigt mit seinen Studenten hat ihn davon überzeugt, dass das Vaterunser anders gebetet werden muss. "Einzelne Passagen der herkömmlichen deutschen Fassung widersprechen christlichen Grundüberzeugungen" so der Theologe in einem Interview mit der Hessenschau.

Das Vaterunser ist ein sehr alter Text. Viele Christen leiern ihn herunter, wenn sie beten, da sie ihn inn- und auswendig kennen. Ein Text, der so alt ist, müsse jedoch immer wieder neu betrachtet werden – sowohl philologisch als auch theologisch, so Jentzmik. Ein einfaches "Nachplappern" des Textes sei noch kein Gebet, das habe schon Jesus gesagt. Man muss die Worte verstehen und gegebenenfalls an die eigene Zeit anpassen.

"Und lass uns nicht in die Fänge der Versuchung geraten, ..."

Die Stelle "und führe uns nicht in Versuchung" war Jentzmiks größter Kritikpunkt: Er möchte mit seinen neuen Worten deutlich machen, dass die Versuchung teuflisch ist, nicht göttlich. "Dass Gott dem Menschen eine Falle stellt, schien mir von Jugend an der christlichen Vorstellung vom liebenden Gott zu widersprechen", so der Theologe. Nicht Gott führe die Menschen in Versuchung, sondern der Mensch sich selbst: Man betet nicht um Verschonung vor Gott, sondern um Schutz vor sich selbst. 

"Gib uns heute die verheißene Speise."

Der einfache Grund für diese Änderung ist die Gültigkeit des Gebets in allen Kulturen. Manche Menschen kennen das Konzept "Brot" nicht, so zum Beispiel die Inuit. "Unser tägliches Brot gib uns heute" ist demnach nicht allgemeingültig genug – was in einer internationalen Welt wie unserer aber unbedingt nötig ist.

"Deine Herrlichkeit komme."

Diese Zeile hat Jentzmik anstelle von "dein Reich komme" eingefügt. Die Änderung spiegelt auch aktuelle Themen wider: Das Errichten eines Gottesstaates, eines Reichs, lässt einen an Herrschaft und Macht denken. Das geht fast immer mit schlimmster Grausamkeit einher. "Herrlichkeit" hingegen habe nichts mit Machtansprüchen zu tun; sie glänze und strahle einfach nur. "Es geht darum, dass Gott Raum greift im Menschen", so der Theologe.

Zurück zu den Himmeln

Und was hat es mit den Himmeln auf sich? Es geht auf jeden Fall nicht um andere Planeten oder das Multiversum. Es geht einerseits um sprachliche Genauigkeit: Das hebräische Wort "schamajim" ist ein Pluralwort, das aus "Sonne" und "Wasser" zusammengesetzt ist. Legt man dies zugrunde, platziert man Gott also in genau den beiden Elementen, die Leben geben. Andererseits soll die Mehrzahl von "Himmel" die Unendlichkeit ausdrücken, die in der Liebe Gottes steckt. Vielleicht ist das Multiversum also doch nicht zu hoch gegriffen ...

Jentzmiks Übersetzung erschien Anfang April in der zweiten Auflage im Glaukos Verlag.

 

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