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03.12.2015

"Vergessene" erste Sprache legt Grundlage für zweite Sprache

Ein Kind lernt eine Sprache, verlässt dann aber als Kleinkind, unter drei Jahre alt, seine Sprachumgebung. Es kommt in eine neue Sprachumgebung, in der eine vollkommen andere Sprache gesprochen wird. Mit seiner ursprünglichen Sprache hat es nichts mehr zu tun; es lernt nun die neue Sprache. Hat es seine erste Sprache vergessen?

Kinder sprechen miteinander

Der Test: Pseudowörter identifizieren

Forscher der McGill Universität in Montreal, Kanada, sind dieser Frage nachgegangen. Dafür haben sie Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren mit unterschiedlichen sprachlichen Hintergründen ein Experiment ausführen lassen: Sie sollten französische Pseudowörter wie "vapagne" oder "chansette" identifizieren.

Drei Gruppen, drei sprachliche Hintergründe

Die erste Gruppe bestand aus Probanden, die in Frankreich geboren worden und in einsprachig Französisch sprechenden Familien aufgewachsen waren. Kinder und Jugendliche der zweiten Gruppe waren aus China in eine Französisch sprechende Familie adoptiert worden, bevor sie drei Jahre alt waren. Diese Teilnehmer hatten seitdem kein Chinesisch mehr gesprochen und können nur Französisch sprechen. Die dritte Gruppe bestand aus Teilnehmern, die fließend Französisch und Chinesisch können; sie sind zweisprachig.

Während die Kinder und Jugendliche die Wörter zu identifizieren versuchten, untersuchten die Forscher die Gehirnaktivitäten der Teilnehmer mithilfe einer fMRT.

Gleiche Ergebnisse, unterschiedliche Arbeitsweise

Alle Gruppen lösten die Aufgaben gleich gut. Ihre Gehirnaktivitäten unterschieden sich jedoch voneinander: Zunächst hatten alle Gruppen Aktivitäten in den typischen Gehirnregionen, die Forscher inzwischen mit Sprache in Verbindung bringen. Die zweisprachigen Teilnehmer aus Gruppe drei hatten jedoch Aktivitäten in zusätzlichen Gehirnregionen. Das Erstaunliche: Auch Gruppe zwei, die adoptierten Kinder, die ab einem Alter von drei Jahren nur noch Französisch lernten, hatten Aktivitäten in denselben zusätzlichen Gehirnregionen wie Gruppe drei, die zweisprachigen Teilnehmer.

Der frühe Einfluss wird die spätere Flexibilität

Doktorandin und Leiterin der Studie, Lara Pierce, erklärt: "Während des ersten Lebensjahres ist das Gehirn eines Kleinkinds sehr stark darauf eingestellt, bestimmte Informationen und Geräusche zu sammeln und abzuspeichern: solche, die relevant und wichtig für die Sprache sind, die sie um sich herum hören. Das ist der erste Schritt der Sprachentwicklung."

Die neuen Erkenntnisse weisen darauf hin, dass Kinder und Jugendliche, die als Kleinkind eine chinesische Sprachumgebung hatten, Französisch später auf eine andere Art verarbeiten als einsprachige Kinder und Jugendliche. Die Ergebnisse weisen auch auf den einzigartigen und bleibenden Einfluss hin, den frühe Spracherfahrungen auf die spätere Organisierung des Gehirns haben. Ebenso wichtig: Die Fähigkeit des Gehirns, sich einer neuen Sprachumgebung anzupassen, um eine neue Sprache beherrschen zu lernen.

Hat das Kind also seine erste Sprache vergessen? Die Studie rückt die Bedeutung des Wortes in ein neues Licht: Das Kind kann die Sprache nicht mehr, hat sie aber nicht vergessen.

 

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