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30.07.2015

Verschiedene Sprachen, verschiedene Gehirne

Sprache ist gleich Sprache und entsteht in bestimmten Gehirnregionen. Diese Aussage stimmt nicht ganz. Forscher haben Folgendes herausgefunden: Die Unterschiede zwischen der tonalen Sprache Mandarin und der nichttonalen englischen Sprache führen zu unterschiedlichen Arbeitsweisen der Netzwerke im Gehirn.

Sprache, Gehirn

Der Hauptunterschied zwischen Englisch und Mandarin liegt in der Bedeutung der Tonhöhe. Englische Muttersprachler drücken mit der Anpassung der Tonhöhe emotionale Informationen aus. In Mandarin und anderen tonalen Sprachen dagegen haben unterschiedliche Tonhöhen desselben Wortes verschiedene Wortbedeutungen: Die Wörter werden anhand der Tonhöhe semantisch voneinander unterschieden.

Das englische Wort „bee“ bedeutet also „Biene“, egal, in welcher Tonhöhe man es ausspricht. Das Wort „bi“ aus dem Mandarin kann, je nach verwendeter Tonhöhe, „Kraft“, „Nase“, „Wand“ oder „vergleichen“ bedeuten. Dementsprechend gilt: Wer auf Mandarin kraftvoll mit der Nase gegen die Wand rennt, sollte seine Toneme beherrschen. Weiteres über tonale Sprachen können Sie in unserer News „Wenn die Luftfeuchtigkeit den Ton angibt“ nachlesen.

Zurück zur Studie: Forscher aus China und Großbritannien haben die Gehirne von 26 englischen Muttersprachlern und 30 Menschen, die Mandarin als Muttersprache haben, untersucht. Die Teilnehmer sollten sich verständliche und unverständliche Tonaufnahmen anhören und das Geschlecht des Sprechers oder der Sprecherin identifizieren.

Das Ergebnis: Beide Gruppen zeigten Aktivität in den bereits bekannten Sprachzentren der linken Gehirnhälfte, darunter das Broca-Areal und das Wernicke-Zentrum. Es traten jedoch zwei wichtige Unterschiede auf.

1. Die Arbeitsweise der Gehirnnetzwerke

Die Netzwerke waren bei beiden Gruppen gleichermaßen vorhanden. Englische Muttersprachler besaßen jedoch eine stärkere Verbindung, die von dem Wernicke-Zentrum ausging und zum Broca-Areal führte. Die Forscher führten die verstärkte Verbindung darauf zurück, dass englische Muttersprachler sich eher auf phonologische Informationen verlassen als auf tonale.

Muttersprachler des Mandarin besaßen stärkere Verbindungen, die von einer anderen Gehirnregion ausgingen und zum Broca-Areal und Wernicke-Zentrum führten: Dem (für speziell Interessierte) „Gyrus temporalis anterior superior“, also dem vorderen Teil der oberen Schläfenlappenwindung. Wie auch immer dieses Ding heißt, dort liegt etwas Wichtiges, das semantische Zentrum. Die Forscher führten die starke Verbindung zwischen diesem Zentrum und dem Broca-Areal und Wernicke-Zentrum darauf zurück, dass Menschen mit tonalen Muttersprachen vermehrt Töne und Bedeutung zusammenhängend entschlüsseln müssen.

2. Aktivität der rechten Gehirnhälfte

Die Muttersprachlergehirne des Mandarin zeigten ebenfalls eine Aktivität im rechten oberen Schläfenlappen. Diese Gehirnregion war bis dahin als völlig isoliert vom „klassischen“ Sprachnetzwerk der linken Gehirnhälfte gesehen worden. In der Studie zeigten sich jedoch aktive Verbindungen zu den oben genannten Regionen der linken Gehirnhälfte. Das Ergebnis zeigt also, dass die Entwicklung eines bilateralen Netzwerks beider Gehirnhälften wichtig ist, um tonale Sprachen sprechen und verstehen zu können.

 

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