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04.11.2016

Von wegen auf Abwegen!

„Der Karl-Heinz kann wegen einem Zahnarzt...“ Deutschlehrer gehören gemeinhin zu jener Spezies, die den Schülern spätestens beim „Zahn“ ins Wort fallen. Gerät das Wegen auf Abwege – oder gar die Lehrer?

Genitiv, Deutsche Sprache, Gelassenheit

Von Lehrern und Sprachwissenschaftlern

„Auf 'wegen' folgt der Genitiv!“, schimpft die erboste Lehrerstimme dann. „Das ist so, war schon immer so und wird auch immer so bleiben!“ Die Schüler quittieren die vermeintliche Richtigstellung des Lehrers mit einem genervten Augenrollen. „Von wegen“, denkt der Sprachwissenschaftler. Ihm macht der Dativ nach „wegen“ nicht nur nichts aus – ihm entgleitet sogar ein verschmitztes Lächeln: Er findet es schön, dass die deutsche Sprache quietschlebendig ist.

Erst mal beobachten

Auch Linguist Uwe Hinrichs sieht die Veränderung der Sprache positiv. Ihn ärgerten falsch gesetzte Apostrophe schon eher als andere sprachliche Neuerungen, so Hinrichs vor Kurzem im Interview mit der Süddeutsche Zeitung. Er versuche, „nicht zu verurteilen, sondern erst einmal zu registrieren.“

Alles Ansichtssache

Viele zählen das (nicht ganz so) neumodische Zweiergespann, das aus „wegen“ und „Dativ“ besteht, zur Gruppe der abgeflachten, deutschen Sprache. Dazu gesellen sich gerne „Sinn machen“, direkt aus dem Englischen statt „Sinn ergeben“, und „ein Tor machen“ statt „ein Tor schießen“.  Hinrichs nennt diese Ansicht „Kulturpessimismus“: Es sei doch positiv, dass die Sprache durch Vereinfachung besser zu handhaben sei.

Traditionen und Trends lehren

Natürlich gehört es zur Aufgabe der Deutschlehrer, hochgrammatisches, traditionelles, philosophisch behaftetes Hochdeutsch zu lehren. Warum aber nicht auch aktuelle Sprachveränderungen der Schüler ab und zu aufzugreifen und zum Thema machen? Dann würde der Deutschlehrer auch erfahren, dass Karl-Heinz wegen eines Zahnarzttermins dem Unterricht leider fernbleiben musste. Zu den aktuellen Sprachtrends zählt Hinrichs übrigens Anglizismen, Präpositionen statt Kasus und – vielleicht nicht gerade im Deutschunterricht, aber sonst schon – sprachliche Gelassenheit: Man reagiert entspannter auf die unterschiedlichen Sprachvarianten. In Zukunft bedeutet das möglicherweise der Abschied von Kasus (allen voran natürlich vom Genitiv) und Artikeln.

 

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