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05.06.2015

Vorwärts in die Vergangenheit: Isländisch und seine Zukunft

Saftig grüne Grasflächen durchziehen das Land am nördlichen Rand Europas. Berge ziehen sich steil empor, zunächst grün, dann grau. Wolken umschließen die hohen Gipfel. Vulkankrater, tiefe Schluchten, Wasserfälle und brodelnde Quellen in Gletscherlandschaften prägen die Landschaft. In der Luft liegt ein Geruch von Schwefel. Er erinnert daran, wie jung dieses Land ist, wie es stetig wird und nie einfach nur ist. Das stetige Werden prägt auch die Sprache Islands: Eine alte Sprache, die sich an ihrer Ursprünglichkeit orientiert, um die Zukunft zu erreichen.

Island

Was ist das Besondere an Isländisch?

Der Anfang des Nibelungenliedes lautet folgendermaßen: "Uns ist in alten mæren wunders vil geseit / von helden lobebæren, von grôzer arebeit." Das Lied ist am Anfang des 13. Jahrhunderts schriftlich festgehalten worden. Zu dieser Zeit sprach man in deutschen Gefilden noch Mittelhochdeutsch. Kaum ein Deutscher weiß heutzutage, dass "alte mæren" alte Erzählungen sind. Die "grôze arebeit" ist nicht etwa schwere Arbeit, sondern großes Leid (auch wenn der ein oder andere auch heutzutage beides gleichsetzt).

Isländisch hat sich im Vergleich zum Deutschen viel weniger verändert: Isländer können heute noch ohne Probleme die alten Sagas aus dem 13. und 14. Jahrhundert lesen. Kjartan Ragnarsson vom isländischen Landnahmezentrum erklärt dem PRI: "[Icelandic] has changed so little that we can read the Sagas like our newspapers." Besonders die Aussprache hat sich verändert, während das Schriftbild und die Bedeutung der Wörter immer noch sehr ähnlich sind.

Kristján Árnason, Sprachwissenschaftler an der Universität Island, erklärt die Beständigkeit der isländischen Sprache mit der Einstellung der Isländer: "The idea of a language which is a treasure, something that we have to preserve has been very strong in Iceland. And with this comes purism, trying to keep the language pure." Oder, wie Hulda Hákonardóttir vom isländischen Stricksprachenkomitee es ausdrückt:

"Wir haben ein sehr gutes altes Wort für dieselbe Sache."

Im Zweifel schauen die Isländer also lieber zurück in die Vergangenheit. Und ja: Es gibt wirklich ein Stricksprachenkomitee in Island. Die Strickwelt ist in besonderem Umfang von englischen Begriffen heimgesucht worden.

Dennoch teilen nicht alle Isländer den Optimismus, dass Isländisch überlebt. Einige Stimmen befürchten, dass Englisch sehr bald übernehmen wird: "Probably in this century we will adopt English as our language. I think it’s unavoidable", so Jón Gnarr, Komiker und ehemaliger Bürgermeister Reykjavíks.

Hier spielt wieder die enge Bindung der Isländer an ihre Sagatradition hinein: Eine Linie zieht sich von den ersten Isländersagas zu den zahlreichen zeitgenössischen isländischen Autoren. Die ehemaligen Skalden sind ebenso in den Herzen der Isländer wie die Poeten und Romanautoren von heute. Würden diese aufhören auf Isländisch zu schreiben, wäre diese Linie zu Ende. Die Rettung kommt womöglich von außen: So mancher Einwanderer kann besser Isländisch als Englisch. Autorin Auður Ava Ólafsdóttir fürchtet nicht die Veränderung: "I’m looking very much forward to the time when immigrants start to write literature in their version of Icelandic — creating new words. That’s how language should be: Alive, creative, inventive." – Eine Sprache, die stetig wird und nie einfach nur ist.

 

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