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06.08.2015

Was haben alle Sprachen gemeinsam?

Es ist ein Sprachtrend, eine Strategie, die Menschen im Laufe der Zeit entwickelt haben. Das Ziel: eine bessere Verständigung. Die Methode: Effizienz. Die Ironie: Die deutsche Sprache hat einen geringeren Grad an Effizienz als viele andere Sprachen. Ein Fall für die Energieeffizienz-Experten?

Sprache und Effizienz

Streben nach Abstandsminimierung

Warum sagt man „Der Junge spielt Ball mit seinen Freunden“ anstatt „Der Junge seinen Freunden Ball spielt mit“? Einer neuen Studie zufolge ist der erste Satz gehirnfreundlicher und effizienter: Die Distanz zwischen den Wörtern, die für die korrekte Bedeutung voneinander abhängig sind, ist geringer. Das Prädikat „spielt“ ist unter anderem abhängig vom Subjekt „der Junge“. In Satz A befinden sich die beiden Wörter direkt nebeneinander, während sie in Satz B vier Wörter voneinander entfernt sind:

Die so genannte „dependency length”, der Abstand zwischen den bedeutungsmäßig voneinander abhängigen Wörtern, ist in Satz B also erheblich höher als in Satz A. Laut der neuen Studie streben Sprachen nach „dependency length minimization“ (DLM) – und zwar in höherem Grad, als durch Zufall zu erwarten wäre. Laut Richard Futrell, Teamleiter der Studie, ist DLM vorteilhaft, weil das Bilden und Ausklamüsern von Schachtelsätzen sehr viel Energie für das Erinnerungsvermögen erfordert. Demnach ist es kein Wunder, dass kurze dependency lengths ein universelles Merkmal menschlicher Sprachen wurden. „Als Sprachnutzer haben wir die Wahl zwischen vielen Wegen, uns auszudrücken“, so Futrell. Sprache zwinge uns nicht dazu, beim Gebrauch unseres Erinnerungsvermögens verschwenderisch mit der zur Verfügung stehenden Energie umzugehen.

Wie ineffizient ist also Deutsch?

Die Forscher haben insgesamt 37 sehr unterschiedliche Sprachen untersucht. Auch wenn alle Sprachen, auch Deutsch, die Abstände zwischen den voneinander abhängigen Wörtern minimieren, tun sie das in unterschiedlichem Ausmaß. Deutsch tendiert zu größeren Abständen. So ist zum Beispiel eine weitere Variante C des obigen Satzes durchaus gebräuchliches Deutsch: „Der Junge spielt mit seinen Freunden Ball“ hat eine dependency length von 10. Der Grund: Das Objekt „Ball“ ist weiter vom Prädikat „spielt“ entfernt als in Satz A.

Deutsch zählt zu den so genannten „SOV-Sprachen“. Das sind Sprachen, bei denen die Satzbildung aus Subjekt (S), Objekt (O) und Verb (V) in der Reihenfolge SOV erfolgt. (Diese Satzstellung tritt im Deutschen nur in Nebensätzen auf. Trotzdem wird Deutsch zu den SOV-Sprachen gezählt. Mehr dazu können Sie hier lesen.) Andere SOV-Sprachen sind Türkisch, Japanisch und ein Großteil der indischen Sprachen. SOV-Sprachen tendieren generell weniger zu DLM, wobei dies keine absolute Regel ist.

Viele SOV-Sprachen haben außerdem ein Kasussystem. Das kann als Erklärung für den scheinbar ineffizienten Satzbau dienen: Wer durch Kasus Abhängigkeiten und Zusammengehörigkeit markiert, braucht sich um DLM nicht mehr ganz so viele Gedanken zu machen. Steht es also doch nicht so schlecht um die Effizienz des Deutschen? Inwieweit dieser Zusammenhang gültig ist, müssen zukünftige Studien zeigen. Die Kocarek GmbH hält Sie auf dem Laufenden.

 

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