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16.06.2016

Was Untertitel und Gedichte gemeinsam haben

Wer Filme mit Originalton und Untertitel schaut, ist bestens vertraut mit ihnen: den Untertiteln. Sehr poetisch muten sie meist nicht an, sollen sie doch die gesprochene Sprache möglichst kurz und präzise wiedergeben. Was haben Untertitel also mit Poesie zu tun?

Untertitel und Gedichte, Gemeinsamkeiten

Darcy Paquet gibt uns eine Antwort darauf. Er hat die englischen Untertitel zu mehr als 100 koreanischen Filmen verfasst, darunter zu Park Chanwooks "The Handmaiden" und Na Hongjins "The Wailing". Beide Filme waren beim Cannes Filmfestival im Mai 2016 dabei. Paquet ist Amerikaner, lebt aber bereits seit fast 20 Jahren in Korea und ist der Mann hinter koreanfilm.org.

Was kann Untertitel-Übersetzungen ruinieren?

Auf jeden Fall seien es keine Übersetzungsfehler, so Paquet im Interview mit The Korea Times. Das Problem sei vielmehr, dass die englischen Übersetzungen oft zu einfach und abstrakt seien: "Ich finde, dass abstrakt meistens langweilig ist. Man muss sich anstrengen, um dem Dialog Besonderheiten zuzufügen und ihn interessant zu machen", so der Filmkritiker und Übersetzer.

Die Kunst: viel mit wenigen Worten sagen

Beim Übersetzen von Untertiteln hat man nur einen sehr begrenzten Spielraum – ähnlich wie beim Übersetzen von Gedichten. Man muss es schaffen, mit wenigen Worten viel auszudrücken, so wie die großen Dichter es tun und taten: Goethe schildert im "Erlkönig" eine Geschichte kurz und prägnant, die locker einen ganzen Roman füllen könnte; Schillers "Die Bürgschaft" fasst in 20 Strophen zusammen, was Stoff genug für eine Trilogie wäre. Shakespeare lässt Hamlet das ganze Dilemma seines Daseins in nur sechs Worten ausdrücken ("to be, or not to be" ­–  "Sein oder Nichtsein"), Silesius trifft mit seinen Zweizeilern den Kern der Dinge ("Das größte Wunderding ist doch der Mensch allein: / Er kann, nach dem er's macht, Gott oder Teufel sein."). Wer solche Texte übersetzt, muss Wesentliches in sprachlich ansprechender Form und sehr begrenztem Raum vermitteln.

Das gilt auch für Untertitel: "Wenn man alles ausdrücken will, muss man wirklich kreativ ans Werk gehen. Wenn ein Satz zwei Gedanken enthält, lassen viele Übersetzer einen davon einfach weg und übersetzen den anderen. Ich finde, Übersetzer sollten besser darin werden, mehr Informationen in weniger Worten zusammenzufassen", so Paquet.

Übersetzung von Dialekten

Eine Herausforderung, die das Finden geeigneter Untertitel zusätzlich erschwert, sind Dialekte. Dialekte bestehen aus Vokabular, Betonung und der Art, wie Worte rübergebracht werden: "Aber die Betonung kann ich nicht aufschreiben", so Paquet.

Bei der Übersetzung der Untertitel zu "The Handmaiden" stand er vor dieser Herausforderung, da die Schauspielerin Chun Woo-hee in einer Szene teilweise Dialekt spricht. Der Übersetzer löste das Problem, indem er ältere Wörter benutzte, die im Englischen heutzutage kaum noch auftauchen. Man könne einen Dialekt im Untertitel jedoch nur andeuten und den Zuschauern ein vages Gefühl des Dialekts vermitteln. "Übertreibt man, wird es einfach nur unbehaglich und störend."

Mehr über Darcy Paquet erfahren Sie hier.

 

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