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17.02.2015

Wenn die Luftfeuchtigkeit den Ton angibt

"Die Bauern liegen in der Schublade. Die dazugehörige Kaffeemaschine steht auf der Kommode." Dieses Missverständnis kommt zustande, wenn Norweger mit einem nicht-tonalen Dialekt zu Norwegern sprechen, die einen tonalen Dialekt sprechen: Die Mehrzahl der Wörter bønne ("Bohne")und bonde ("Bauer") wird im Norwegischen in einigen Dialekten nur durch die Tonhöhe unterschieden, ansonsten aber gleich ausgesprochen. Bønder, "Bauern" wird mit Tonem 1 ausgesprochen, während bønner, "Bohnen", Tonem 2 erhält. Das d in bønder ist stumm. Einige der tonemlosen Dialekte umgehen das "Problem" allerdings, indem sie das eigentlich stumme d in bønder aussprechen.

Tonem 1 und Tonem 2

Sverre Holm erklärt das Phänomen hier: Interessant sind besonders die Spektogramme. Klickt man auf das jeweilige Bild, hört man die Aussprache. Man sieht und hört, wie unterschiedlich die Wörter loven ("das Gesetz") und låven ("die Scheune") ausgesprochen werden. Charakteristisch für das Tonem 1 ist, dass es bei einer tieferen Tonhöhe beginnt und dann ansteigt, während Tonem 2 höher anfängt, abfällt und am Ende wieder minimal ansteigt. Diese Graphen illustrieren die Toneme. Der Unterschied ist für ein deutsches Ohr kaum wahrnehmbar. Die Toneme werden, je nach Dialekt, unterschiedlich ausgesprochen oder fehlen ganz.

Königin der Toneme: Chinesisch

Norwegisch ist mit zwei Tonemen eine der einfachen tonalen Sprachen. Komplexere Tonsprachen unterscheiden zwischen bis zu sechs unterschiedlichen Tonhöhen eines Wortes, wobei jede Tonhöhe eine andere Bedeutung ausdrückt. So kann das Wort ma aus der chinesischen Sprache Mandarin sowohl "Pferd", "Mutter", "Hanf" als auch "schelten" heißen. Die Tonhöhe allein legt den Bedeutungsunterschied fest. Deutsch klingt dagegen fast langweilig – jeder noch so monotone Satz ist für jeden verständlich. Die Chinesen müssen hingegen immer genau den exakten Ton treffen, um fehlerfrei kommunizieren zu können.

Luftfeuchtigkeit und tonaler Reichtum von Sprachen

Laut der kürzlich veröffentlichten Studie Climate, vocal folds, and tonal languages: Connecting the physiological and geopraphic dots ist es kein Zufall, dass Sprachen in tropischen und subtropischen Gegenden die tonreichsten der Erde sind: Eine hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt eine akkurate Tonregulierung entscheidend. Die Feuchtigkeit macht die Stimmbänder elastisch, sodass diese besser schwingen können. Somit kann der Sprecher den richtigen Ton leichter treffen. Trockene Luft hat einen gegenteiligen Effekt.

Die Studie macht Aussagen zur Entwicklung der Tonsprachen. Sind die Mechanismen einmal vorhanden, können sich auch Chinesen in der Antarktis ­– dem trockensten Ort der Erde – über hanffressende Pferde unterhalten, die von der Mutter gescholten werden. Die Bedingungen für die Entwicklung einer neuen Tonsprache sind in solchen Gebieten jedoch eher schlecht.

Auch zeigt die Studie, dass eine hohe Luftfeuchtigkeit ein Volk nicht zur Entwicklung einer Tonsprache zwingt: Einige Völker tropischer Gebiete sprechen "tonlose" Sprachen.

Die uneinheitliche Verteilung des Tonems im kaltgemäßigten bis subpolaren (und damit sub-sub- bis sub-sub-subtropischen) Norwegen scheint zu bestätigen, dass trockene Luft die Entstehung von Tonsprachen nicht begünstigt.

Falls Sie Probleme beim Lernen der chinesischen Aussprache haben, könnten Sie die nächste Chinesischstunde ja ins türkische Dampfbad verlegen: Ein multikulturelles Spracherlebnis, das es Ihren Stimmbändern leichter macht

Die Kocarek GmbH wünscht Ihnen viel Spaß beim Sprachenlernen und zeigt weiterhin vollen Einsatz, um in Sachen Übersetzungen und Dolmetschen tonangebend zu bleiben.

 

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