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15.03.2016

Wie Wörter uns manipulieren

Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling erklärt in ihrem neuen Buch "Politisches Framing: Wie eine Nation sich ihr Denken einredet ¬– und daraus Politik macht", dass politisches Denken oft unbewusst, irrational und subjektiv sei. Schuld daran seien sogenannte Frames. Ist Sprache Politik?

Sprache ist Politik

Wort "Flüchtling" negativ

Das Wort "Flüchtling" wurde im Jahr 2015 zum Wort des Jahres gewählt. Die Wahl begleitete bereits eine Debatte um die sprachliche Originalität des Wortes. Das Suffix "-ling" gebe dem Wort einen abschätzigen Unterton und Passivität. In manchen Medien ist inzwischen die Rede von "Geflüchteten". Wehling nennt das Wort "Flüchtling" ebenfalls in ihrem Buch: Es aktiviere einen Frame, der sich politisch gegen Flüchtlinge richte.

Wie wir unsere Wörter einrahmen

Mit "Frame" bezeichnet Wehling einen Deutungsrahmen: Mit ihrer Hilfe ordnen wir Fakten ein und bewerten sie. Frames entstehen durch Erfahrungen, die wir mit der Welt machen – wir haben also unglaublich viele davon. Jedes Wort aktiviert Frames: die "zehnprozentige Sterbewahrscheinlichkeit" eher einen negativen, die Worte "neunzigprozentige Überlebenschance" einen positiven. Die Fakten bleiben trotzdem gleich.

Am Beispiel des Wortes "Flüchtling" erklärt Wehling, dass das Suffix "-ling" dazu beitrage, negative Frames in den Gehirnen zu aktivieren. Besser wären "Geflüchtete", "Flüchtende" oder das Adjektiv "flüchtend" zusammen mit "Kind", "Frau" oder "Mann".

"Steuerbeitragende/r" statt "Steuerzahler/in"?

Wehling kritisiert neben "Flüchtling" auch das neutral anmutende Wort "Steuerzahler". Wer etwas bezahle, erwarte eine Gegenleistung. So werde der Staat in Gedanken zum Dienstleister gemacht. Was dann fehlt, sei der Gedanke der gemeinsamen Bürgerverantwortung für den Staat und der Gedanke der Staatsverantwortung für die Bürger: Ein Steuerzahler denke nicht an Gemeinschaft, sondern an käufliche Leistungen. Wehling schlägt daher "Steuern beitragen" oder "Steuerbeitragende/r" vor.

"Geringverdiener" oder "Geringentlohner"?

Mit Wehlings Vorschlag "Geringentlohner" geht ein Wechsel der Perspektive einher. Verdienen Angestellte weniger, weil der Arbeitgeber weniger zahlt? Ein "Geringverdiener" werte moralisch ab, so die Linguistin. Mit "Geringentlohner" würde zwar so mancher Arbeitgeber in Verruf geraten, das Wort zeige jedoch einen anderen Blickwinkel auf.

Dass man Menschen einfach durch den Gebrauch neuer Wörter umprogrammieren kann, glaubt Wehling nicht. Wichtig sei jedoch, ab und zu über die Begriffe nachzudenken, die in aktuellen politischen Debatten verwendet werden. So könne man mit der Zeit erkennen, welche Haltungen gerade vorherrschen. Es geht um gezielte Bewusstmachung. Das sei auch und besonders für Journalisten sehr wichtig. Wehlings Buch sagt eindeutig: "Sprache ist Politik."

 

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