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05.03.2015

Wörter machen Leute: Wie verschiedene Sprachen unsere Identität beeinflussen

Karneval ist erst mal vorbei. Die bunten Kostüme sind wieder im Schrank verstaut, die bizarren Masken in der Schublade verschwunden. Die Menschen sind aus ihren bunten, fremden Rollen geschlüpft. Sie sind wieder sie selbst geworden. Oder? Haben wir noch weitere Kostüme und Masken in unseren Schränken, die aus dem Stoff verschiedener Sprachen bestehen? Machen nicht nur Kleider, sondern auch Wörter Leute?

Ortstafel Großwarasdorf

"Mit jeder neu gelernten Sprache erwirbst du eine neue Seele."

Das besagt ein tschechisches Sprichwort. "Sprache" scheint dabei ein dehnbarer Begriff zu sein: Neben einer Fremdsprache können wir uns ein Kostüm zulegen, das aus einem anderen Dialekt, einer Umgangssprache oder einem bestimmten Fachjargon zusammengenäht ist. Manch einer wird möglicherweise zum ernsthaften Mitbürger, wenn er Deutsch spricht. Mit der englischen Maske kommt der Clown zum Vorschein. Die Gefühlslage ist intellektueller, wenn er seine Gedanken auf Französisch formuliert. Im Gespräch mit den Großeltern fühlt er sich wieder wie ein Kind, während er in Dialekt verfällt.

Das tschechische Sprichwort ähnelt dem Titel der Studie Another language is another soul. Forscherin Wilson fand in der Studie heraus, dass schüchterne Menschen mit der Maske einer Fremdsprache ungehemmter werden können.

Dass mehrsprachige Menschen sich tatsächlich anders fühlen, wenn sie verschiedene Sprachen sprechen, haben Dewaele & Nakano in einer Studie nachgewiesen: Die Teilnehmer der Studie fühlten sich weniger logisch, weniger ernsthaft, weniger emotional und vermehrt "unecht", wenn sie ihre zweiten, dritten und vierten Sprachen benutzten. Eine Teilnehmerin erklärte: "Meine Zweitsprache zu nutzen, ist wie hinreißende Kleider und Make-up für den Abend zu tragen – kein völlig natürlicher Zustand, aber einer, der mir erlaubt, zu strahlen und wunderschön zu erscheinen."

Dewaele, Professor für Angewandte Linguistik an der Universität in London, meint, dass Sprache Menschen eine gute Möglichkeit biete, unterschiedliche Versionen von sich selbst zu sein. Verkleiden scheint also nicht nur für den Karneval unabdingbar. In verschiedene Rollen zu schlüpfen, scheint ein Grundbedürfnis vieler Menschen zu sein.

Die eigene Moral kann von der Sprache abhängen.

Das ist das Ergebnis der kürzlich durchgeführten Studie Your Morals Depend on Language. Die Forscher konfrontierten die Teilnehmer mit folgendem Dilemma: Ein Zug rast auf eine Gruppe von fünf Menschen zu. Er kann nicht bremsen. Die einzige Möglichkeit, die Gruppe der fünf Menschen vor dem sicheren Tod zu bewahren, wäre ein Hindernis, das den Zug abbremst. Dieses "Hindernis" steht inform eines kräftigen Mannes auf einer Brücke über den Gleisen. Das Ergebnis: In einer Fremdsprache würden die Teilnehmer den Mann eher auf die Gleise schubsen, um die Gruppe zu retten.

Das Dilemma ist ein bekanntes Gedankenexperiment. Durchschnittlich sind 80 % der Befragten nicht dazu bereit, den Mann zu opfern. In der jetzt durchgeführten Studie stieg der Anteil derer, die den Mann opfern würden, auf das Dreifache, als Spanier in Englisch dazu befragt wurden. Plötzlich wurde die utilitaristische Sichtweise favorisiert. Die Forscher gehen davon aus, dass die Teilnehmer eine höhere emotionale Distanz zum Englischen haben ­– und damit löste das Gedankenexperiment im Englischen eine andere emotionale Reaktion als im Spanischen aus.

Freuen Sie sich auf weitere spannende Fakten zum Thema "Emotionen und Sprache" im nächsten Newsbeitrag der Kocarek GmbH.

 

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